Streit um Iffland-Nachlass beendet : Ende einer Räuberpistole

Der Iffland-Nachlass, ein aus 7000 Briefen bestehender Kulturschatz, kehrt heim nach Berlin.

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August Wilhelm Iffland, 1759 - 1814, war Direktor des Königlichen Nationaltheaters in Berlin. Foto: Imago
August Wilhelm Iffland, 1759 - 1814, war Direktor des Königlichen Nationaltheaters in Berlin.Foto: Imago

Ein Kulturschatz kehrt zurück nach Berlin, so vermeldet es Björn Böhning als Chef der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters. Es geht um die umfangreiche Korrespondenz von August Wilhelm Iffland, die erst kürzlich unter merkwürdigen Umständen wieder aufgetaucht ist. Ein Iffland-Nachlass aus 34 Bänden mit rund 7000 Briefen und Schriftstücken war vom Wiener Antiquariat Inlibris im Auktionskatalog einer Messe im schwäbischen Ludwigsburg für 450 000 Euro zum Kauf angeboten worden.

Der Wiener Antiquar hatte das Konvolut zuvor von dem heute 90-jährigen Berliner Theaterhistoriker und früheren Archivmitarbeiter der Staatsoper Unter den Linden Hugo Fetting für 50 000 Euro erworben. Fetting behauptete, die Papiere Anfang der 1950er Jahre in Ostberlin „aus einem Schutthaufen“ hinter der Staatsoper geborgen zu haben.

Die Unterschrift des Theaterdirektors. Aus Ifflands Korrespondenzen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Die Unterschrift des Theaterdirektors. Aus Ifflands Korrespondenzen.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Iffland war zur Zeit der Weimarer und Berliner Klassik um 1800 ein hochberühmter Schauspieler und von 1796 bis zu seinem Tod 1814 Direktor des Königlichen Nationaltheaters in Berlin. Sein Korrespondenznachlass als Theaterdirektor enthält Briefe von August Wilhelm Schlegel, Johanna Schopenhauer, ein von Goethe unterschriebenes Papier, 17 Briefe des Dramatikers August von Kotzebue sowie Hunderte von Kostüm-, Besetzungs- und Dekorationsverzeichnissen zu den am Nationaltheater gespielten Stücken. Nur der Briefwechsel mit Schiller, dessen an Iffland geschickte Manuskripte und wohl auch einige Schreiben Goethes an Iffland gelten weiterhin als verschollen.

Sonderbar, dass das renommierte Wiener Antiquariat Inlibris angesichts der Umstände von einem gutgläubigen Besitz Hugo Fettings an dem ursprünglich im Berliner Stadtschloss verwahrten historischen Konvolut ausging – und die im Herbst 2013 um ein Gutachten gebetene Berliner Akademie der Künste nicht sofort Alarm schlug. Wie berichtet, hatte der Berliner Senat jedoch im Januar Besitzansprüche in Wien geltend gemacht, worauf Hugo Wetscherek, Chef der Firma Inlibris, das Verkaufsangebot für die Ludwigsburger Messe zurückzog. Nun heißt es, das Wiener Antiquariat habe die Iffland-Korrespondenzen dem Land Berlin „geschenkt“, der Senat bezahle nur 15000 Euro „Unkosten“. In Berlin soll nun das Landesarchiv zusammen mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für die Aufbereitung und digitale Dokumentation der Manuskripte sorgen.

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