Symphoniekonzert an der Deutschen Oper : Lobgesang des Individuums

Stürmisch und doch ganz ohne Pathos: Das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt Mahlers Fünfte und das erste Cellokonzert von Schostakowitsch.

von
Donald Runnicles
Donald RunniclesFoto: Imago

Wenn die Oboe in einem Dreiviertel- Ländler nach der Vorstellung des Komponisten plötzlich „schüchtern“ einsetzen soll, hat die skurrile Spielanweisung doch Methode: Im Scherzo seiner 5. Symphonie verteidigt Gustav Mahler die individualisierte Einzelstimme, den veränderten Gebrauch der Instrumente. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin tut sich mit diesem verlorenen Walzer schwerer als mit den Ecksätzen, zumal der ersten „Abteilung“, die aus Trauermarsch und „Stürmisch bewegt“ besteht. Da wird unter Donald Runnicles wirklich vehement dreingefahren, bis die Celli langsam und fließender paukenbegleitet singen, wie die Streichergruppen überhaupt (die Bratschen!) insgesamt wunderbar harmonieren.

Die Überwältigung, die sich Ende 2015 in der Deutschen Oper mit der Dritten Mahlers ereignete, erreicht die Aufführung noch nicht. Aber das Orchester ist motiviert, die neuartigen Klangcharaktere der Musik zu feiern. Denn im Wechsel mit Mozarts „Così“, die kürzlich Premiere hatte, bedeutet die symphonische Polyphonie im Getümmel großer Besetzung eine gewaltige Umstellung. Dazu die Weite der Melodien wie das Solo des obligaten Horns (Norbert Pförtsch-Eckels). Das berühmte Adagietto mit seinen Tempomodifikationen – „Nicht schleppen“, „etwas drängend“, „fließend“, „zurückhaltend“ – gestaltet Runnicles ohne romantisches Pathos. Zu den Schönheiten im Einzelnen gehört, dass ihm ein traumhafter Übergang von der Schlussfermate dieses Herzstücks ins Rondo-Finale gelingt. Über seine Fünfte räsonnierte Mahler, dass sie „eigentlich lauter Solisten“ brauche. Die Deutsche Oper hat sie.

Mit Schostakowitschs erstem Konzert für Violoncello treten zwei weitere führende Musiker aus dem Orchester hervor, beide jung und meisterhaft. Ganz Signal und Kantabilität ist der dialogisierende Hornist Pierre Azzuro, während Arthur Hornig das Publikum mit einer feinen Expressivität des Soloparts in Bann schlägt. Das Stück fordert Vergleiche mit Mstislaw Rostropowitsch bis Truls Mørk (2015 beim RSB) heraus. Nun erspielt sich der Erste Solocellist Arthur Hornig Ovationen als Virtuose. Das Haus füllt sich. Die Konzerte der Deutschen Oper gewinnen an Resonanz.

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