Tanz: "On Fire" von Constanza Macras : Speere zu Tennisschlägern

Hybride Ästhetik: In ihrer Choreographie "On Fire" dekonstruiert Constanza Macras Bilder des schwarzen Körpers.

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Szene aus "On Fire".
Szene aus "On Fire".Foto: John Hogg Augustin

Schon das erste Männerduett lotet die Begegnung mit dem Fremden in seinen Ambivalenzen aus: Ein schwarzer und ein weißer Tänzer nähern sich an und halten doch Abstand, sie greifen auf, was der Andere zeigt, und halten dagegen. In „On Fire“, der neuen Tanztheater-Produktion von Constanza Macras, die im Februar in Johannesburg uraufgeführt wurde und nun ihre Europapremiere im Maxim Gorki Theater feierte, treffen fünf Tänzer aus Südafrika auf vier Performer von Macras’ Berliner Ensemble DorkyPark. An dem Projekt war auch die US-amerikanische Fotografin und bildende Künstlerin Ayana V. Jackson beteiligt. Die fantastischen Fotos aus den Serien „Archival Impulse“ and „Poverty Pornography“ sind der Ausgangspunkt des Stücks. Jackson bezieht sich auf die ethnografischen Fotografien aus der Zeit des Kolonialismus, doch sie dekonstruiert die Bilder des schwarzen Körpers durch raffinierte Verfremdungen. Statt eines Speers reckt da ein muskulöser Schwarzer einen Tennisschläger in die Luft. Und Emil Bordás, ein Rom, mutet mit seinem Halsschmuck wie ein stolzer Eingeborener an.

Mit „erfundener Tradition“ und der Repräsentation des schwarzen Körpers setzt sich auch Macras auseinander. Sie setzt auf eine hybride Ästhetik und verwegenen Humor. Bewaffnet mit Krücken und Golfschlägern rücken die Tänzer den Stereotypen auf den Leib. Da formiert die Gruppe sich schon mal zum Kirchenchor. Auf die ausgewalzte Opern-Persiflage folgt eine lustige Ballett-Parodie. Louis Becker, Emil Bordás und Felix Saalmann sind in rabiat-komischen Duetten mit ihren südafrikanischen Partnern zu erleben. Besonders Becker lässt sich prima verbiegen und auf den Kopf stellen.

Trashig wird es, wenn die Seifenoper „Shaka Zulu“ neu inszeniert werden soll und Fernanda Farah im Ethno-Kleid die Männer beim Casting erst mal zusammenstaucht. Es werden afrikanische Mythen erzählt und immer wieder Theorie-Partikel über Identitätsfragen eingeflochten. „On Fire“ wurde für ein südafrikanisches Publikum konzipiert. Manche der Anspielungen auf den Post-Apartheids-Diskurs versteht ein deutsches Publikum gar nicht. Zudem wirkt das Stück überladen – Macras hat wieder viele Eisen im Feuer. Doch die Darsteller begeistern mit Witz und Verve. Und wie sie über den Umgang mit Tradition räsonieren, ist überaus erhellend.

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