Kultur : Tatort mit Rosen

Leichenwäscher, Trauerredner: die Doku „Endlich“

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Foto: X-Verleih
Foto: X-Verleih

Dieser Film wäre besser ein Buch geworden. Schon die ersten Sätze sind so eigentümlich, dass man sie gern lesen würde, um bei ihnen zu verweilen. Sie werden aus dem Off gesprochen, während der Zuschauer den Fund einer Leiche beobachtet. Es sind Schwarz-Weiß-Bilder, aber mit seinen Worten färbt der Erzähler sie ein. Er sagt, das gelbe Absperrband um den Tatort habe sich in den Rosen verfangen und die Blutlache eine so glatte Oberfläche gehabt, dass er sie berühren wollte. Die Szene ist vorbei, kaum dass sie begonnen hat. Kein Moment Ruhe, und das bei diesem Thema.

Um den Tod soll es in der Dokumentation „Endlich“ gehen, um diejenigen, die professionell mit ihm zu tun haben. Menschen, deren Berufsbezeichnungen kaum einer kennt. „Und was machst du so?“ – „Ich bin Leichenwäscher“, das passt zu keiner Dinnerparty. Da lädt man lieber Menschen mit einer Jobbeschreibung ein, unter der man sich nichts vorstellen kann und die keine Angst macht. Key Account Manager zum Beispiel oder Etatdirektoren. Anerkennenswert also, dass sich die Filmemacherinnen Katja Dringenberg und Christiane Voss in ihrem filmischen Essay mit jenen beschäftigen wollen, die sonst totgeschwiegen werden. Nur leider scheint es den Regisseurinnen – beide arbeiteten früher mit Tom Tykwer, er hat ihren Film auch produziert – nicht anders zu gehen als Menschen auf einer Dinnerparty: Sie wissen nicht umzugehen mir ihrer Angst vor dem Tod. Nur so ist zu erklären, warum sie immer, wenn es interessant werden könnte, schnell wieder wegschauen. Warum sie stille Momente nicht aushalten, sondern mit penetranter Musik unterlegen. Und warum sie mit ihrer Kamera am liebsten bei Skurrilitäten wie der elektronischen Verladestation für Särge verweilen.

Lieber hätte man in diesen 80 Minuten mehr über die Protagonisten erfahren. Über die zwei jungen Frauen zum Beispiel, die eine mit platinblonden Haaren, die man sich auch in einem Friseursalon vorstellen kann. Nur dass sie dort wohl mehr sprächen. Wer Leichen herrichtet wie sie, arbeitet meist stumm. Oder über die Trauerrednerin, die ihre Tätigkeit wie einen schöpferischen Akt inszeniert, in der Wohnung auf und ab läuft und zu erspüren versucht, wie der Verstorbene war. Aber da kommt schon der Schnitt, und wieder ist eine Geschichte einen kleinen Tod gestorben, bevor sie sich entwickeln konnte. Verena Friederike Hasel

Hackesche Höfe

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