Tedeschi Trucks im Berliner Huxley's : Lichterlohe Leidenschaft

Das elfköpfige Bluesrock-Ensemble Tedeschi Trucks spielt ein begeisterndes Konzert im Berliner Huxley’s Neue Welt.

von
Eine starke Verbindung: die Tedeschi Trucks Band.
Eine starke Verbindung: die Tedeschi Trucks Band.Foto: Promo

„Get What You Deserve“. Und alle im proppenvollen Huxley’s bekommen, was sie wollen, vielleicht mehr als sie erwarten. Schon bei den ersten Takten steht die Tedeschi Trucks Band unter Feuer, brennt unter lichterloher Leidenschaft, und bekräftigt, was für eine grandiose Idee es war, die Stärken der beiden einzelnen Gruppen der Eheleute Susan Tedeschi und Derek Trucks zu dieser unschlagbaren Einheit zu verschmelzen.

Susan Tedeschis herausragende Soul-Stimme hat einiges mitbekommen vom Timbre der wunderbaren Bonnie Raitt. „It’s So Heavy“: Eine gefühlvolle Soulballade mit traumhaftem Bläsersatz aus Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, dazu bewegend melodische Uuh-Huuhs zweier Backgroundsänger, die im Laufe des Abends auch mal die Hauptstimme übernehmen oder mit Tedeschi duettieren. Rhythmisch schmatzendes Grollen einer Hammond B3 mit flirrendem Wehen. Ein beweglich grummelnder Bass, zwei federnde Drummer, die mächtig losrattern.

Und im Zentrum dieser exquisiten elfköpfigen Truppe, die hör- und sichtbar enormen Spaß hat an der gemeinsamen Sache, als Primus inter Pares der 34-jährige Derek Trucks hinter seiner Frau Susan, den Kopf mit zum Pferdeschwanz gebundenen langen Haaren über das Griffbrett seiner weinroten Gibson SG geneigt, die Augen geschlossen, konzentriert versunken in dickschlickige Südstaaten-Riffs. Ohne Plektrum hämmert er mit dem Daumen, schnipst, grabbelt und krallt bellende Boogies oder warme klassisch gesungene Bluesmelodien aus den Saiten. Und entwindet sich immer wieder elegant jeglichen altbackenen Klischees in aberwitzige modale Jazzfiguren, indische Ragas, coltranesche Bebops. So lässig und ohne jegliche Attitüde spielt er das, dass alle gelackten artistischen Show-Blueser vom Schlage Joe Bonamassas in ihrer angespannten Angestrengtheit dagegen kläglich verblassen.

Trucks und Tedeschi weben ihre Gitarren ineinander und lassen Riffs und Soli gelegentlich auch parallel laufen. Susan schmackelt funkig funkelnden Wah-Wah- Rhythmus oder biegt ihren zierlichen Körper in kräftig drahtelnde eigene Soli, zieht und streckt die Töne, bis ein anderes Instrument sich daran entzündet und die Flamme weiterträgt. Nach zwei Stunden entfachen sie mit „The Storm“ als Zugabe noch einen finalen Sturm mit einem dicken creamigen Riff und Trucks’ traumhaft sirrenden, an Jeff Beck erinnernden möwenhaften Gitarrenschreien. Einfach umwerfend!

3 Kommentare

Neuester Kommentar