Terror in Frankreich : "Mit den Franzosen war es immer ein bisschen problematisch“

Terror in Frankreich: Eine sehr erstaunliche Experten-Meinung im Fernsehen und weiter viel Interesse für die Sondersendungen zu den dramatischen Ereignissen in unserem Nachbarland.

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Ulrich Wegener, Ex-Chef der deutschen Eingreiftruppe GSG9.
Ulrich Wegener, Ex-Chef der deutschen Eingreiftruppe GSG9.Screenshot: Tsp

Die Terrorereignisse in Frankreich stellten in dieser Woche auch die öffentlich-rechtliche Informationskompetenz auf die Probe. Am Sonntagnachmittag gibt es eine ARD-Sondersendung: „Paris trauert“, ab 15 Uhr 05. Günther Jauch kommt mit seinem ARD-Talk am Abend eine Woche früher als geplant zurück. Der ARD-„Brennpunkt“ („Paris: Eskalation der Gewalt“)und das „ZDF spezial“ („Terror in Paris - Frankreich im Ausnahmezustand“) landeten am Freitagabend bei den Einschaltquoten weit vorn. Insgesamt 4,98 Millionen Menschen (15,8 Prozent Marktanteil) sahen den 30-minütigen „Brennpunkt“ nach der 20-Uhr-„Tagesschau“, die auf 5,33 Millionen Zuschauer kam (17,6 Prozent). Das „ZDF spezial“ verfolgten 4,72 Millionen Menschen (17,6 Prozent), nachdem die 19-Uhr-Ausgabe der „heute“-Nachrichten 5,37 Millionen erreichte (20,7 Prozent). Ein ähnliches Bild hatte sich seit Mittwoch ergeben, als zwölf Menschen bei einem islamistisch motivierten Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ums Leben kamen. Am Freitag wurden die Attentäter von der Polizei gestellt und getötet – ebenso ein anderer Geiselnehmer.

Wieder einmal zeigte sich bei der TV-Analyse: Nicht jedes Expertengespräch ist ein gutes Gespräch. Ulrich Wegener, Ex-Chef der deutschen Eingreiftruppe GSG9, kritisierte im ARD-„Brennpunkt“ – auch zur Überraschung von Moderator Markus Preiß – angesichts der vier toten Geiseln in dem jüdischen Supermarkt den „zu späten“ Einsatz der französischen Sicherheitskräfte, obwohl Wegener keine näheren Kenntnisse über die Umstände des Einsatzes hatte beziehungsweise haben konnte. Er verwies auf das eigene Wirken in Sachen Terror-Bekämpfung („Die GSG 9 ist ja heute die führende Spezialeinheit in der EU“) und Erfahrungen der Kooperation mit Frankreich („Mit den Franzosen war es immer ein bisschen problematisch“). Daraus entwickelte sich Kritik an der Operation in Frankreich, die er vor dem Fernsehbildschirm verfolgt hatte.

Die vier in einem jüdischen Supermarkt in Paris getöteten Geiseln starben laut Behördenangaben aber schon vor der Befreiungsaktion der Polizei. Die Geiseln seien "wahrscheinlich" erschossen worden, als der islamistische Geiselnehmer am Mittag in das Geschäft stürmte, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Freitagabend. Auch der Geiselnehmer Amedy Coulibaly hatte in einem Telefongespräch mit dem Nachrichtensender BFMTV gegen 15 Uhr schon von vier Toten gesprochen. Laut Molins hatte Coulibaly mehrere Schusswaffen und große Mengen Sprengstoff bei sich.

Indes wurde bekannt, dass die neue Ausgabe von „Charlie Hebdo“ am Mittwoch neben Frankreich auch in mehreren weiteren Ländern erscheinen soll, auf jeden Fall in Spanien und der Schweiz. Der Vertreiber MLP verhandele auch mit Partnern in weiteren Ländern wie Kanada. Die „Ausgabe der Überlebenden“ soll statt der üblichen 60 000 Exemplare mit einer Auflage von einer Million gedruckt werden. Den Angaben zufolge wollen auch Länder, die sonst allenfalls eine Handvoll Exemplare abnehmen, dieses Mal mehrere tausend anfordern. Der neue Chefredakteur des Magazins, Gérard Biard, kündigte am Freitag an, dass die Ausgabe Zeichnungen der gesamten Redaktion, einschließlich der vier getöteten Karikaturisten, enthalten werde.

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