Kultur : "The Art of War": Blut, Schweiß und Scherben

Veronika Rall

Wie lange braucht es, bis man weiß, dass ein Film schlecht ist? Man schaut die Credits verheißungsvoll an - in diesem Fall versprechen sie die hochkarätigen Schauspieler Wesley Snipes, Anne Archer und Donald Sutherland -, man lässt sich angesichts des filmischen Settings genussvoll in den Kinosessel gleiten - jetzt wird die Snipes-Rolle als Bond-Kopie entwickelt, große Action, alles geht so glatt wie der geschüttelte Martini -, aber spätestens bei einem verunglückten Close-Up beschleicht einen der Verdacht, im falschen Film zu sitzen.

Denn da zoomt Christian Duguay in einen Container voller toter Vietnamesen. Er schlachtet die Szene aus, zeigt Details: Verzerrte Gesichter, verschlungene Arme und Beine, Wunden, zerrissene Kleider. Später wird der Regisseur angesichts eines demolierten Raumes die Fantasie seiner Hauptfigur bemühen. Zerbrochene Spiegel: Ein Frauenkopf wird dagegen geschlagen. Blutgetränkte Scherben auf dem Boden: Die Frau ringt um ihr Leben. Das ist ein billiger Splatterfilm, nicht der intelligente Thriller mit einem Hauch Kung-Fu, auf den uns die Werbung eingeschworen hat.

Dabei hätte die Story viel hergeben können. Da verfügen die Vereinten Nationen tatsächlich über einen Agentenring, der das Geschäft erledigt, sobald es schmutzig wird. Die Verhandlungsbasis mit einem korrupten Politiker verbessern? Ja, da erpresst man ihn, und schon schaut man als Diplomat gut aus der maßgefertigten Wäsche. Doch Regisseur Christian Duguay weiß sein Publikum weder zu erpressen noch zu verführen. Anstatt die Vorstellungskraft der Zuschauer zu bemühen setzt er auf Schockeffekte.

Man fragt sich, was Schauspieler vom Rang eines Snipes, einer Archer oder eines Sutherland dazu gebracht hat, sich für einen solchen Schund herzugeben. Gibt es in Hollywood derzeit keine besseren Rollen? Der Streik der Actors Guild jedenfalls galt nicht miesen Job-Angeboten, er galt dem Einkommen der Stars, die nun für jede Ausstrahlung eines Clips Tantiemen bekommen. Wenn Hollywood so weiter macht, werden seine Stars in Zukunft Probleme haben, sich fürs Marketing zu verdingen.

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