"The Croods" : Folge der Fackel

„The Croods“ erzählt auf der Berlinale außer Konkurrenz vom Überlebenskampf einer Steinzeitfamilie. Die Neu-Feuersteins spielen wohl im besten Animationsfilm des Jahres. Mit Prominenten Synchronstimmen.

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Die Steinzeit haben wir uns bislang viel zu gemütlich vorgestellt. Bei der „Familie Feuerstein“, der genialen Fernsehserie der Trickfilmer Hanna und Barbera, sah die prähistorische Vergangenheit eigentlich genauso aus wie die Nachkriegsgegenwart. Die Helden lebten in einer typisch suburbanen Reihenhaussiedlung und verbrachten ihre Freizeit vor dem Steinfernseher oder beim Steinschlag-Bowling. Und wenn Fred Feuerstein trompetete: „In meiner Höhle herrsche ich unangefochten“, war das bloß ein Machospruch, denn in Wirklichkeit führte seine Ehefrau Wilma das Regiment, eine wespentaillige Lady im eng geschnittenen Fellkleid.

Bei den „Croods“, die außerhalb des Wettbewerbs die Berlinale bereichern, gerät nun nicht bloß das Patriarchat ins Wanken. Die ganze Erde bebt, Vulkane brechen aus, eine Endzeit naht. Worauf die sechsköpfige Sippe der Croods, diese Neuversion der Feuersteins, nach Darwins Gesetz vom Survival of the Fittest denkbar schlecht vorbereitet ist. Vater Grug sagt von sich selbst, „keinen Geist, nur Muskeln“ zu besitzen, und hat seine Angehörigen auf strenge Regeln eingeschworen: Die Höhle darf nur zur Nahrungsaufnahme verlassen werden, Neugier rächt sich, und alles, was von der Routine abweicht, ist schlecht.

Draußen – damit hat der Clanchef recht – lauern tatsächlich Gefahren. Schließlich sind bereits alle Steinzeitnachbarn der Croods von Mammuts, Säbelzahntigern oder Grippeviren hinweggerafft worden. Aber im Fall des Weltuntergangs besteht nur dann eine Überlebenschance, wenn man bereit ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und aufzubrechen ins Offene. Außerdem hat noch kein Abenteuerfilm als Kammerspiel funktioniert. Zum Glück gibt es eine Rebellin in der Familie, die burschikose Tochter Eep, die in einer Nacht dem Schein einer Fackel folgt und auf einen Jungen trifft. Guy scheint einer bereits höher entwickelten Spezies anzugehören, er beherrscht das Feuer, besitzt Schuhe und schwärmt von einem „Land der Zukunft“, einer Shangri-La-artigen Zuflucht auf einem Berg jenseits der Steppen, Meere und Urwälder. Dort soll man von der Apokalypse verschont bleiben. Man muss nur erst einmal hinkommen.

Der von Kirk DeMicco und Chris Sanders inszenierte Trickfilm aus dem DreamWorks-Studio, im Original mit den Stimmen von Nicolas Cage und Emma Stone prunkend, verknüpft auf eine sehr amerikanische Weise traditionelle Familienwerte mit der Feier von Innovation und Fortschritt. Schon klar, der Vater gehört mit seinem Credo „Angst ist gut und Wandel schlecht“ zu den Auslaufmodellen der Evolution. Seine Autorität zerbröselt, aber ohne die Ausdauer des Alten können die Croods erst recht nicht durchkommen.

Als Familienfilm operiert „Die Croods“ auf zwei Ebenen. Die Action ist rasant und erinnert mitunter an die „Ice Age“-Serie, der Witz setzt Widerhaken. Wenn ein Lagerfeuer Schatten über die Wand tanzen lässt, wird en passant Platons Höhlengleichnis aufgerufen, die Dialoge sind oft pure Comedy. Da erzählt die Oma, dass sie einmal verliebt gewesen sei: „Ich war Sammler, er war Jäger. Es gab einen Riesenskandal.“ Schwer vorstellbar, dass in diesem Jahr noch ein besserer Animationsfilm in die Kinos kommen wird. Christian Schröder

16.2., 17.15 Uhr (HdBF), 17.2., 10 Uhr (Berlinale-Palast)

Es kommt selten vor, dass sich die virtuelle Filmwelt der Berlinale modisch im Outfit der Beteiligten niederschlägt, mitunter aber schon. Zum Beispiel am Freitag auf der Pressekonferenz zum Höhlenmenschen-Film „The Croods“. Nicolas Cage und Uwe Ochsenknecht im Bärendress wurde zwar leider nicht geboten, Grugs originaler und deutscher Stimmgeber sahen überaus gegenwärtig aus, auch Emma Stone und Janine Reinhardt, die beiden Eeps, sowie Kostja Ullmann als Guy und die zwei Regisseur- und Produzentendoppel kamen nicht à la Neandertal. Nur Moderator Anatol Weber hatte sich für eine Fellweste entschieden. Ein Kunstprodukt, so ist zu hoffen: In Berlin hätte man im authentischen Feuerstein-Look wenig Freude.

Zum Scherzen gab das Aussehen der Höhlenmenschen aber auch ohne entsprechende Kleidung Anlass. „Ich habe gehofft, dass ich nicht so aussehe“, berichtete Nicolas Cage über seine erste Begegnung mit seiner Filmfigur. Für ihn war die Arbeit am Mikrofon „eine gute Übung, um in Form zu bleiben“, denn allein die Stimme mache 50 Prozent der Leistung eines Schauspieler aus. Eine einsame Arbeit: Die Stimme seiner Filmtochter Emma Stone war zwar immer präsent, ihre Rollen gemeinsam eingesprochen haben sie nicht.

Für Ochsenknecht war die Synchronarbeit ein Debüt, wie er erzählte: Noch nie zuvor habe er mit einem fremdsprachigen Animationsfilm gearbeitet. Die Arbeit sehe anders als als die des Originalsprechers. Das Amerikanische habe eine bestimmte Melodie, Töne, Geräusche, die es im Deutschen so nicht gebe, und er habe nun deutsche Laute finden müssen, die aber doch noch zum Film passten. Das sei wahrscheinlich die schwierigere Aufgabe, gab Cage zu.

Auch nach der Botschaft des Films wurde gefragt, Cage reagierte skeptisch: „Für mich persönlich sollte die Botschaft nicht im Vordergrund stehen. Man darf nicht zu viel darüber nachdenken, sonst fließt es nicht mehr.“ Andreas Conrad

Sehr amerikanisch, wie Familienwerte und Fortschritt sich miteinander verbinden

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