"The Great Wall" mit Matt Damon : Mauern zu Brücken

Im Fantasy-Epos „The Great Wall“ reibt sich Matt Damon zwischen Hollywood und China auf. Der Film kommt dabei kaum über Allgemeinplätze hinaus.

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Völkerverständigung. Zhang Yimou schickt Matt Damon an die Front.
Völkerverständigung. Zhang Yimou schickt Matt Damon an die Front.Foto: Universal

Auch wenn sie nicht wirklich vom Weltall aus zu sehen ist: die Chinesische Mauer sprengt alle Maßstäbe. Waren es also womöglich gar nicht menschliche Feinde, gegen die sie errichtet wurde? Nomadische Reitervölker scheinen kein angemessener Anlass zu sein für eine Konstruktion solch gigantischen Ausmaßes. Standesgemäßere Gegner sind da schon eher die Taotie, menschenfressende Wildschweinechsen, die in Zhang Yimous Fantasy-Epos „The Great Wall“ als göttliche Mahnung vor ungezügelter Gier auf die Menschheit losgelassen werden. Zwischen den Fronten finden sich die beiden Glücksritter William (Matt Damon) und Tovar (Pedro Pascal) wieder, die die Suche nach Schwarzpulver ins Reich der Mitte verschlagen hat.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Chinesische Mauer als Schauplatz von kulturellem Austausch und Völkerverständigung herhalten soll. Doch der einstige Schutzwall gegen ausländische Invasoren dient nicht nur auf der Handlungs-, sondern auch auf der Produktionsebene als Brücke zwischen den Kulturen. „The Great Wall“ soll die Distanz zwischen Hollywood und China ebenso überwinden wie die Hürden zum chinesischen Filmmarkt. Pro Jahr sind dort nur 34 ausländische Produktionen zugelassen, von deren Erlösen 75 Prozent im Land bleiben. Ausgenommen von diesen restriktiven Vorgaben sind chinesische Koproduktionen, für die jedoch strenge Auflagen gelten.

Narrativ vom weißen Retter fremder Kulturen

Bislang hat dieses System noch keinen internationalen Kassenschlager hervorgebracht. Mit einem Budget von 150 Millionen Dollar ist „The Great Wall“ die bisher ambitionierteste US-chinesische Koproduktion. Dessen Gelingen dürfte wegweisend sein für weitere gemeinsame Projekte. Doch bereits im August sah sich der Regisseur zu einer Stellungnahme bezüglich seiner Besetzungspolitik gezwungen: "Ich werde niemals zulassen, dass die Besetzung eines Films meiner künstlerischen Vision widerspricht."

Kontroversen um die kulturelle Vielfalt von Darsteller-Ensembles gehören zum US-Blockbuster mittlerweile dazu wie eine Tüte Popcorn. Auch „The Great Wall“ bedient allzu deutlich das Narrativ vom weißen Retter fremder Kulturen, wie man es bereits aus „Der letzte Samurai“ mit Tom Cruise kannte. In China spielt diese Debatte hingegen keine Rolle. Dort überwiegt der Stolz, einen amerikanischen A-List-Star für eine chinesische Produktion gewonnen zu haben.

Tatsächlich ist im Fall von „The Great Wall“ schwer zu sagen, wer hier eigentlich wen ausbeuten soll. Benutzt Hollywood die chinesische Kultur als exotischen Hintergrund für ein weiteres Epos um einen weißen Helden? Oder ist Matt Damon eher ein Zugeständnis ans internationale Publikum – wie umgekehrt zuletzt auch chinesische Stars in US-Großproduktionen wie „Independent Day 2“ oder „Rogue One“? Betreiben die amerikanischen Autoren kulturelle Aneignung der chinesischen Sagenwelt? Oder eignet sich Regisseur Zhang das amerikanische Format des Blockbusters an?

Zhang, der bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking Regie führte, ist die naheliegende Wahl für ein Projekt dieser Tragweite. Mit seinem Sinn für spektakuläre Massen- und Actionszenen versteht er es, auch die große Leinwand zu bespielen. Das Ergebnis ist ganz und gar Hollywood und gleichzeitig durch und durch chinesisch. Das Bemühen, einen gleichsam barrierefreien Film zu machen, der nirgendwo aneckt (am allerwenigsten in China), ist ständig spürbar.

Ost und West tun sich zusammen

So kommt die Begegnung von Ost und West kaum über Allgemeinplätze hinaus. Auch die Liebesgeschichte zwischen William und der Kommandantin Lin Mei (Tian Jing) beschränkt sich auf den Austausch keuscher Blicke. In der Charakterzeichnung bedient der Film patriotische Klischees: die Chinesen sind mutig und rechtschaffen, die Ausländer, zumindest anfangs, habgierig und verschlagen. Nebenbei erinnert „The Great Wall“ an eine Zeit, als die chinesische Zivilisation Europa hoch überlegen war und Industriespione aus dem Westen anreisten, um Innovationen zu stehlen.Im Kern jedoch handelt der Film davon, wie Großes entsteht, wenn sich Ost und West im Dienste einer gemeinsamen Aufgabe zusammentun. Im Kampf gegen Fabelwesen ebenso wie am Filmset. 

In 18 Berliner Kinos. OV: Cinestar Sony-Center, Karli Neukölln

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