Tod von Chris Cornell : Trauert nicht um mich

Am Mittwoch ist Chris Cornell tot in seinem Hotel in Detroit gefunden worden. Die Polizei geht jetzt davon aus, dass der Sänger von Soundgarden durch Suizid starb.

Christian Schröder
Chris Cornell und Soundgarden 2015 bei einem Auftritt in Ontario. Foto: imago/ZUMA Press
Chris Cornell und Soundgarden 2015 bei einem Auftritt in Ontario.Foto: imago/ZUMA Press

Der Sänger Chris Cornell, der am Mittwoch nach einem Konzert seiner Band Soundgarden in Detroit starb, hat offenbar Suizid begangen. Das geht aus Angaben von Gerichtsmedizin und Polizei hervor, aus denen das US-Musikmagazin „Rolling Stone“ zitiert. Nach dem Auftritt im Fox Theatre war der 52-jährige Musiker gegen 23.30 Uhr in sein Hotel aufgebrochen. Als ein Leibwächter später auf Bitten von dessen Ehefrau Vicky Karayiannis nach Cornell sehen wollte, war dessen Suite verschlossen. Der Bodyguard trat die Tür ein und fand den Sänger leblos vor. Kurz vor 1 Uhr seien Notfallärzte im Hotel eingetroffen. Trotz Wiederbelebungsversuche konnten sie um 1.30 Uhr nur noch Cornells Tod feststellen.

Die bekanntesten Unbekannten

Soundgarden sind 1984 von Chris Cornell, der damals noch Schlagzeug spielte, in Seattle gegründet worden. Neben Nirvana, dessen Sänger Kurt Cobain sich 1994 erschoss, und Pearl Jam waren sie die kommerziell erfolgreichste Grunge-Band. Ihr Album "Superunknown" - ein schon zu diesem Zeitpunkt ironischer Titel - erreichte im Frühjahr 1994, kurz vor Cobains Tod, den ersten Platz der amerikanischen Charts. Ein Siebenminutenstück auf der Platte, geschrieben von Cornell, heißt "Like Suicide". Der größte Hit der Band ist die Schwermetallballade "Black Hole Sun". Im surrealen Text wünscht sich der Sänger eine schwarze Sonne herbei, die den Regen und die ganze Welt wegbrennt: "Black hole sun / Won't you come / And wash away the rain?" Die schwarze Sonne kam nicht, es hörte nicht auf zu regnen, und Soundgarden gingen 1997 auseinander.

Um dann 2010 wieder zusammenzufinden, das Album "King Animal" herauszubringen und im Vorprogramm der von ihnen bewunderten Hardrock-Veteranen von Black Sabbath auf Tournee zu gehen.

Der Trost im Blues

Bis zu Cornells Tod hat die Band an einem neuen Album gearbeitet. Gitarrist Kim Thayil sagte dem Branchenblatt „Billboard“, dass es „in den letzten Jahren immer wieder Sessions gegeben“ habe. „Wir hatten immer wieder nach Gelegenheiten gesucht, an denen wir alle vier zusammenkommen konnten um uns gegenseitig neues Material zu präsentieren. Danach gab’s Jam-Sessions und Gemeinschaftsarbeit.“

Sein letztes Konzert beendete Chris Cornell mit dem Soundgarden-Stück „Slaves & Bulldozers“, das er mit Zeilen des Led-Zeppelin-Klassikers „In My Time of Dying“ kombinierte: „In my time of dying, I want nobody to mourn / All I want for you to do is take my body home.“ Led Zeppelin waren neben Black Sabbath und Neil Young eine wichtige Referenzgröße für die Band. Mitschnitte des Konzers, die im Netz kursieren, dokumentieren, dass Cornell ein begnadeter Blues-Sänger sein konnte. Trauert nicht um mich, schafft bloß meine Leiche heim. Das wirkt wie ein gespenstischer Abgang. Allerdings hatten Soundgarden das Stück auch vorher schon gespielt.

Hilfe bei Depressionen und in Krisensituationen: Die Berliner Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, sie berät auch Angehörige und Freunde Betroffener anonym: 0800-1110111, www.telefonseelsorge-berlin.de

Der Berliner Krisendienst ist rund um die Uhr unter der 39063-10, -20 usw. bis -90 zu erreichen, www.berliner-krisendienst.de

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