Kultur : TOPS & FLOPS

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ANDREAS CONRAD

Top „The Good Shepherd“ von Robert De Niro. Fast drei Stunden sieht man einem Menschen in unterschiedlichen Stufen seiner Versteinerung zu – und keine Minute langweilig.

Flop „300“ von Zack Snyder. Spartanische Durchhalteparolen, „Bis zum letzten Speer“. Natürlich geht es gegen asiatische Horden. Der Reichspropagandaminister wäre begeistert.

KERSTIN DECKER

Top „Irina Palm“ von Sam Garbarski. Selbstbewusstsein kann so viele Quellen haben und es ist nie zu spät. Das ist eine schöne Nachricht. Geschmack ist nur eine Frage des Muts zur Geschmacklosigkeit. Das ist auch eine schöne Nachricht. Und wie diese Frau spricht. Als wenn Marianne Faithfull singt.

Flop „The Good German“ von Steven Soderbergh. Ein Film aus lauter Kolportage, genauso einfältig wie sein Titel – optisch, historisch, moralisch.

SILVIA HALLENSLEBEN

Top „Fay Grim“ von Hal Hartley. Böse, verspielt, politisch, witzig, gekonnt: und der Beweis, dass Kunstbemühen nicht prätentiös angestrengt aussehen muss.

Flop „a.k.a. Nikki S. Lee“ von Nikki S. Lee. Anödende eitle Promotion, die sich mit dem angesagten Mäntelchen künstlerischer Selbstreflektion tarnt.

SEBASTIAN HANDKE

Top „Irina Palm“ von Sam Garbarski. Glanz und Elend am Glory Hole.

Flop „Ne touchez pas la hache“ von Jacques Rivette. zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz.

JULIAN HANICH

Top „Ferien“ von Thomas Arslan. Klar, präzise, genau, exakt, prägnant. . . Und dann auch noch diese Natur!

Flop „Angel" von François Ozon. Ein ironisches Melodram? Entweder persiflieren oder große Gefühle wecken – beides geht nicht, Monsieur Ozon.

NADINE LANGE

Top „Eye in the Sky“ von Yau Nai Hi. Wie sich dieser kluge und elegante Thriller durch die Straßen von Hongkong zappt, ist eine Party für die Augen.

Flop „When a Man falls in the Forest“ von Ryan Eslinger. Extrem dröges KlischeeIndie-Drama, das selbst die tapfere Sharon Stone nicht mehr rausreißen konnte.

HARALD MARTENSTEIN

Top „The Walker“ von Paul Schrader. Vor allem wegen der Dialoge.

Flop „Ne touchez pas la hache“ von Jacques Rivette. Vor allem wegen der Dialoge (ich weiß, dass sie von Balzac sind – aber ein Roman ist halt kein Film).

FRANK NOACK

Top „Hallam Foe“ von David Mackenzie. Weil es noch nie jemand gewagt hat, so dreist „Das Fenster zum Hof“ und „Vertigo“ mit „Hamlet“ zu kreuzen, voller Witz, Ernst und sozialer Genauigkeit.

Flop Fehlanzeige! Nichts Hassenswertes gefunden, obwohl Zack Snyder sich mit „300“ bemüht hat. Aber sein Stahlgewitter-Pathos war zu selbstironisch, um zu schockieren.

CHRISTIANE PEITZ

Top „Ping Guo“ von Lu Yi. Weil es im Kino nicht um Thesen geht, sondern um Menschen mit Haut und Haar.

Flop Keine Forumsparty dieses Jahr! Okay, es lag an der großartigen „Guy Maddin“-Gala in der Deutschen Oper. Aber 2008 wollen wir wieder eine.

DANIELA SANNWALD

Top „Takva“ von Özer Kiziltan. Frommer Mann zerbricht an den Widersprüchen zwischen weltlichen und geistigen Interessen seines Ordens. Schlicht und streng inszeniert, verweist der Film vom Besonderen aufs Allgemeine.

Flop „Bordertown“ von Gregory Nava. Eine amerikanische Reporterin versucht, eine Serie von Frauenmorden an der mexikanischen Grenze aufzuklären. Durch die hysterische, skandalisierende, mystifizierende Inszenierung wird das große Thema ganz klein.

CHRISTIAN SCHRÖDER

Top „Irina Palm“ von Sam Garbarski. Marianne Faithfull begegnet der Liebe im Sexshop und beweist, dass manche Wunder nur im Film passieren können.

Flop „Ne touchez pas la hache“ von Jacques Rivette. Kerzen flackern, der Kamin knistert, die Kostüme sind perfekt aufgebügelt: Balzac als einschläfernd nachgefilmte Gutenachtgeschichte.

JAN SCHULZ-OJALA

Top „The Good Shepherd“ von Robert De Niro. Superlebendiger Geschichtsfilm, mit lebendig begrabenem Helden.

Flop „Goodbye Bafana“ von Bille August. Supermausetoter Geschichtsfilm, mit Happy End wie im Heftchenroman.

CHRISTINA TILMANN

Top „Irina Palm“ von Sam Garbarski. Weil man zur Mitte des Festivals endlich mal das Gefühl hatte, dass da einer ein Fenster aufmacht und frische Luft reinlässt.

Flop „In Memoria di me“ von Saverio Costanzo. Weil von diesem verkniffenen, freudlosen Machwerk so gar nichts in Erinnerung bleibt.

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