Kultur : Tricks statt Zauber

Robin-Hood-Show: „Die Unfassbaren“.

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Foto: Concorde
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Das Magierquartett „Four Horsemen“ weiß genau, wie man das Publikum begeistert: Bei ihrer Show in Las Vegas „teleportieren“ sie einen Mann aus dem Publikum in einen Banktresor nach Paris und bringen ihn binnen Sekunden zurück – mit drei Millionen Euro im Gepäck, die sie auf die Zuschauer herabregnen lassen. Der spektakuläre Zaubertrick bringt sie in die Schlagzeilen, aber auch in Untersuchungshaft. Nur können FBI-Agent Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) und seine französische Interpol-Kollegin Alma Dray (Mélanie Laurent) den versierten Trickkünstlern absolut nichts nachweisen. Tja, Pech gehabt.

Der Bankraub ist erst der Anfang einer Reihe von Umverteilungsmaßnahmen, die die Viererbande in Robin-Hood-Manier inszeniert. In New Orleans erleichtern sie ihren Protegé, den Multimillionär Arthur Tressler (Michael Caine), um sein Vermögen, das auf die Bankkonten der Krisenverlierer im Publikum transferiert wird, und ein noch größerer Coup steht demnächst in New York an. Doch nicht nur das FBI ist den vieren auf den Fersen, sondern auch der zynische Ex-Zauberkünstler Thaddeus Bradley (Morgan Freeman): Er verdient gutes Geld damit, dass er die Tricks anderer in seiner eigenen TV-Show auffliegen lässt.

„Die Unfassbaren“ von Louis Leterrier („Transporter“) spielt mit einer hübschen Prämisse, doch leider geht sie in actiongesteuerter Überinszenierung verloren. Der anarchistische Charme der Geschichte über die Umverteilung von Krisengewinnen muss sich bald immer komplexeren Trickstrategien geschlagen geben, die alle Aufmerksamkeit auf sich monopolisieren . So bleiben im hyperaktiven Erzählmodus sowohl die Handlungsmotive als auch jedwede tiefere Charakterisierung der Figuren auf der Strecke.

Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher und Dave Franco werden zu Beginn als Straßenmagier, Hypnotiseur, Entfesslungskünstlerin und Taschendieb vorgestellt – und das war’s dann in einer Story, die komplett auf Autopilot zu laufen scheint. Dabei hätte Regisseur Leterrier von erfahrenen Zauberkünstlern lernen können: Es sind besonders die kleinen, leisen Nummern, die in ihrem Genre faszinieren. Martin Schwickert

In 17 Berliner Kinos; OV im Alhabra, Cineplex Spandau, Cinestar SonyCenter und Titania Palast

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