Untersuchungsausschuss Staatsoper : Stuck für Stuck

Zu viel, zu schnell: Architekt Klaus Roth und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erklären dem Untersuchungsausschuss, warum die Staatsopern-Baustelle aus ihrer Sicht ein Fiasko wurde.

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Blick auf die provisorische Deckenabstützungen auf der Baustelle der Staatsoper Unter den Linden.
Blick auf die provisorische Deckenabstützungen auf der Baustelle der Staatsoper Unter den Linden.Foto: dpa

Gleich zu Beginn der Sitzung wird es sehr traurig. Denn im Untersuchungsausschuss zur Staatsoper wird Klaus Roth als Zeuge vernommen. Jener Architekt, der 2008 den ersten Wettbewerb zur Sanierung gewonnen hatte – mit einem futuristisch anmutenden, modernen Saal. Roth machte noch einmal deutlich, was die Besucher des Musiktheaters mit diesem mutigen Entwurf gewonnen hätten: Beste Sicht von allen Plätzen und eine Akustik, die nicht mehr nur für Barockes und Werke der Klassik geeignet wäre, sondern auch ideale Klangbedingungen für die Aufführung der Wagnerschen Musikdramen geboten hätte.

Der Ausschreibungstext, so erklärte Roth den Abgeordneten, habe durch schwammige Formulierungen seinen Entscheidung für einen komplett neuen Saal nahegelegt. Neben dem sensiblen Umgang mit dem Traditionshaus wurde da nämlich auch eine „Umgestaltung des Zuschauerraums“ gefordert sowie die Verbesserung der Aufenthaltsqualität für die Besucher. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die am Freitag ebenfalls vernommen wurde, bestätigte Roths These. Ein „innovativer Umgang“ mit den eigentlich nicht zu vereinbarenden Wünschen der Nutzer einerseits und den Anforderungen der Denkmalschutzbehörde andererseits sei von den Teilnehmern erwartet worden.

Historisch einmalig: Berliner aus Ost und West wollten einhellig den neuen Saal verhindern

Allerdings war es den Nicht-Fachleuten hinterher nicht zu vermitteln, so Lüscher, dass eine signifikante Verbesserung von Hör- und Sichtverhältnissen zwangsläufig zur Zerstörung des 1955 im Stil des Neorokoko ausgeführten Paulick-Saales führen müssten. Mit den bekannten Folgen. In einem einmaligen Schulterschluss forderten Bürger aus dem ehemaligen Ost- wie dem einstigen Westteil so lange lautstark den Schutz des historisierenden Ambientes, bis der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit einknickte, denn Wettbewerb für nichtig erklärte und die Beibehaltung der Nachkriegs-Optik anordnete.

Von 25 Prozent der Sitze wird also auch in der sanierten Staatsoper weiterhin die Bühne nur teilweise sichtbar sein – und ob der Nachhall sich wirklich verbessern lässt durch einen zusätzlichen Hohlraum oberhalb der Decke, in den die Schallwellen aber erst einmal durch Gazenetze gelangen müssen, wird sich noch zeigen.

Übereinstimmend beklagten Klaus Roth und die Senatsbaudirektorin die Tatsache, dass es Seitens der Politik keine Geduld gegeben habe, sich ausreichend Zeit für so ein „hochkomplexes Jahrhundertprojekt“ (Lüscher) zu nehmen. So sei beispielsweise nach dem Platzen des ersten Wettbewerbs ihre Bitte um die Verschiebung des Baustarts um ein Jahr von Kulturstaatssekretär André Schmitz in den Wind geschlagen worden.

Alles sollte möglichst schnell gehen. Denn in der Staatsoper, so das Argument, gehe die Angst um, dass die Umsiedlung ins Ausweichquartier zum Niedergang des Hauses und zum Verlust der internationalen Reputation führen werde. Eine Befürchtung, die nicht eingetreten ist: Das Publikum folgte Daniel Barenboims Truppe problemlos. Und hinter vorgehaltener Hand geben sogar die Künstler zu, dass im Schillertheater bessere Arbeitsbedingungen herrschen als jemals Unter den Linden.

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