Urheberrechtsdebatte (1) : Mehr Schutz!

Die Nulltarifmentalität schadet den Autoren. Eine Streitschrift für den Schutz der wirtschaftlichen Grundlage von Autoren.

Ernst Piper
BitTorrent ist eines der umstrittenen Programme, mit denen legal, aber auch illegal Inhalte aus dem Netz heruntergeladen werden können.
BitTorrent ist eines der umstrittenen Programme, mit denen legal, aber auch illegal Inhalte aus dem Netz heruntergeladen werden...Foto: dpa

Zwei Autoren erläutern ihre Position zur aktuellen Urheberrechtsdebatte. Lesen Sie hier die Gegenposition von Christoph Schneider.

Nachdem die Debatte allzu lange von Verbandsvertretern dominiert war, ist die Diskussion über das Urheberrecht endlich da angekommen, wo sie hingehört – bei den Urhebern. Der furiose Aufschrei von Sven Regener hat vielen die Augen geöffnet und deutlich gemacht, dass die Nulltarifmentalität vieler Internetnutzer nicht irgendwelchen Konzernen schadet, sondern der Kreativität der Urheber die wirtschaftliche Basis entzieht.

Zum Beispiel in der Literatur. Schriftsteller arbeiten manchmal jahrelang an einem neuen Buch, treiben Archivstudien, machen kostspielige Recherchereisen und verwerfen mehrere Textfassungen, bis das Ergebnis ihrer Mühen zwischen zwei Buchdeckel passt und zu kaufen ist. Stipendien und Literaturpreise können helfen, den Schaffensprozess zu finanzieren. Entscheidend aber sind die Honorare, die für die verschiedenen Nutzungen des Werks bezahlt werden, vom Verkauf des Buches bis hin zu seiner Verfilmung.

Das geistige Eigentum ist auch heute nicht so umfassend geschützt wie das materielle Eigentum. 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers wird es gemeinfrei. Dass es überhaupt geschützt ist, ist eine Errungenschaft der bürgerlichen Revolution. Heute gibt es ein gesetzlich geschütztes und unveräußerliches Urheberrecht, Verwertungsgesellschaften, den Anspruch auf angemessene Vergütung urheberrechtlicher Leistungen und anderes mehr. Viele dieser Regelungen sind noch gar nicht so alt. Sie sind oft in harten Auseinandersetzungen erkämpft worden und sollen die Voraussetzung dafür schaffen, dass die Kreativen von den Erträgen ihrer Arbeit leben können. Dass das in der Praxis bei Weitem nicht jedem gelingt, ist ein anderes Thema. Immerhin sind Kreative heute freie Menschen, die sich nicht mehr bei Hofe verdingen müssen. Sie müssen sich auch nicht selbst um die Vermarktung ihrer Werke kümmern, es gibt eine vielfältige Verlagslandschaft, in der hochqualifizierte Arbeit geleistet wird.

Urheberrecht im Internet: Gema gegen Youtube
Der Song "Fußball ist unser Leben" begleitete die Fußball-WM von 1974, die bekanntlich mit dem Titelgewinn der deutschen Nationalelf endete. Das Lied spielt nun eine zentrale Rolle in einer neuen Plakat-Kampagne der GEMA mit dem Titel "Musik ist uns was wert".Alle Bilder anzeigen
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20.04.2012 11:46Der Song "Fußball ist unser Leben" begleitete die Fußball-WM von 1974, die bekanntlich mit dem Titelgewinn der deutschen...

Umso unverständlicher ist es, dass es neuerdings Leute gibt, die im Namen des Fortschritts diese Errungenschaften der Aufklärung mutwillig oder aus Unverstand zur Disposition stellen wollen. Wer Sympathie für die Piratenpartei empfindet, sollte einmal das Programm dieser Schwarmgeister zur Hand nehmen. Da ist vom „sogenannten ,geistigen Eigentum’ die Rede“. Kopierschutz wird als unmoralisch angesehen, das kostenlose Kopieren soll explizit gefördert werden. Die „Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum“ sei nicht nur berechtigt, „sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit“. Schöner ist der Vorgang des Plünderns selten beschrieben worden. Für diejenigen, die um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden, wird er dadurch nicht weniger unerfreulich.

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