Nicht das Urheberrecht muss reformiert werden, sondern das Bildungswesen.

Seite 2 von 2
Urheberrechtsdebatte (1) : Mehr Schutz!
Ernst Piper

Die modernen Wegelagerer sehen im Urheberrecht vor allem ein Hindernis auf dem Weg ins Paradies des unbegrenzten Wissens. In Wahrheit hatten noch nie so viele Menschen einen so guten Zugang zu so viel Wissen, Bildung und Unterhaltung wie heute. Dass es nicht noch mehr sind, hängt nicht mit dem Urheberrecht zusammen. Die Gründe sind vielmehr mangelnde Bildungschancen, daraus resultierender Analphabetismus, Armut, totalitäre Regime, ideologisch bedingte Abwehrhaltungen (etwa bei religiösen Fundamentalisten) und anderes mehr.

Wenn gesagt wird, es sei im Zeitalter des Internet schwieriger geworden, „fremde Urheberrechte zu beachten“, so mag das richtig sein. Auch andere Dinge sind schwierig, zum Beispiel die Durchsetzung des Prinzips „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Sollen wir uns deshalb davon verabschieden? Wer auch in Zukunft noch Romane junger Autoren lesen möchte, sollte sich darum sorgen, dass ihnen nicht die materielle Basis für den Schaffensprozess verloren geht. Wenn uns das nicht gelingt, dann wird das Angebot im ach so kostenlosen Internet eines Tages ziemlich öde aussehen.

Ernst Piper ist geschäftsführender Gesellschafter der Literarischen Agentur Piper & Poppenhusen, Privatdozent für Neuere Geschichte an der Uni Potsdam und Autor. Zuletzt erschien „Nationalsozialismus. Seine Geschichte von 1919 bis heute“.

  • Mehr Schutz!
  • Nicht das Urheberrecht muss reformiert werden, sondern das Bildungswesen.
Artikel auf einer Seite lesen

36 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben