Urheberrechtsdebatte (2) : Mehr Freiheit!

Von einer Kultur des Teilens profitieren alle. Eine Streitschrift dafür, im digitalen Wandel eine Chance zu sehen.

Christoph Schneider
Kann ein Gedanke überhaupt Eigentum sein? Auch um solche philosophischen Fragen dreht sich die Urheberrechtsdebatte.
Kann ein Gedanke überhaupt Eigentum sein? Auch um solche philosophischen Fragen dreht sich die Urheberrechtsdebatte.Foto: dpa

Zwei Autoren legen ihre Position in der aktuellen Urheberrechtsdebatte dar. Lesen Sie hier die Gegenposition von Ernst Piper.

Die Welt ist im Wandel: Filme, Musik, Computerspiele, aber auch Bücher werden längst nicht mehr nur bei Saturn, Media Markt oder in Buchläden gekauft, sondern online, vom Sofa aus, per Smartphone oder Laptop. Ein Trend, der sich fortsetzen wird, egal wie sehr manche Branchen nicht bereit sind, ihre alten, ausgetretenen Pfade zu verlassen.

Statt also dem Schwinden des Alten nachzutrauern, sollte man im Wandel lieber eine Chance sehen. Onlineshops und das Internet haben 24 Stunden lang geöffnet, Konsumenten sparen Spritkosten, Parkgebühren und jede Menge Zeit. Der Welt, die wir verlassen, ist auch im Hinblick auf die Buchbranche nicht nachzutrauern: Statt Perfektion kommt zunehmend Redundanz auf den Markt. Das heutige Verlags- und Buchhandelswesen ist mitnichten ein Garant der Vielfalt: Selbst Buchhändler beschweren sich heute darüber, dass sie nicht mehr selbst entscheiden können, was sie in ihrem Laden führen, sondern dass sie nicht zuletzt wirtschaftlicher Druck dazu zwingt, den hundertsten Vampirroman ins Sortiment zu nehmen.

Weitaus entscheidender ist indes, welche neuen Chancen Smartphones und Tablet-PCs für Künstler und Autoren eröffnen. Sie ermöglichen völlig neue Wege des Storytellings. Ganz neue Arten, Kunst zu gestalten. Als Autor eines Buches kann man Kapitel mit Songs unterlegen, Soundeffekte hinzufügen. Bereits vor Jahren habe ich davon geträumt, einen Roman multimedial aufwerten zu können. Mithilfe von iPhone und iPad ist das nun möglich geworden.

Urheberrecht im Internet: Gema gegen Youtube
Der Song "Fußball ist unser Leben" begleitete die Fußball-WM von 1974, die bekanntlich mit dem Titelgewinn der deutschen Nationalelf endete. Das Lied spielt nun eine zentrale Rolle in einer neuen Plakat-Kampagne der GEMA mit dem Titel "Musik ist uns was wert".Alle Bilder anzeigen
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20.04.2012 11:46Der Song "Fußball ist unser Leben" begleitete die Fußball-WM von 1974, die bekanntlich mit dem Titelgewinn der deutschen...

Was es im Computerspielesektor bereits gibt, entwickelt sich derzeit im Netz auch für Erzählungen: eine freie Szene, deren Produkte oft liebevoller gestaltet sind als die der großen Vermarkter. Davon profitieren alle! Die Leser bekommen mehr Auswahl und das sogar zu einem niedrigeren Preis – weil keine Grossisten mehr mitverdienen. Die Künstler können daher besser von ihrer Arbeit leben. Lektoren und Grafiker bekommen ihren Anteil, da sie freiberuflich für den Autor arbeiten können und keine Zwischeninstanz mehr mitfinanzieren müssen. Die Verlage sind die einzigen, die in Zukunft leer ausgehen werden, wenn sie den Wandel weiterhin aufzuhalten versuchen, statt ihn mitzugestalten.

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