Vater-Sohn-Drama "Der Richter: Recht oder Ehre" : Wir müssen reden

Nach flachhumorigen Komödien versucht sich David Dobkin mit „Der Richter: Recht oder Ehre“ an einem Familiendrama Schrägstrich Justizthriller. Das Ergebnis kann auch Robert Downey Jr. nicht retten.

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Szene aus "Der Richter".
Szene aus "Der Richter".Foto: Warner Bros. France

Rechtsanwalt Hank Palmer, ein Anwalt mit äußerst flexiblen Moralvorstellungen, ist sehr erfolgreich: Wirtschaftskriminelle und reiche Schwerverbrecher gehören zu seinen Stammkunden. Eines Tages reißt ihn eine Mailbox-Nachricht aus der Prozess-Arena: Die Mutter ist gestorben, und Hank fährt erstmals seit 20 Jahren in seine Heimatstadt Carlinville, Indiana. Mit dem Vater ist Hank schon lange zerstritten. Der angesehene Richter mit seinen 42 Dienstjahren sieht den Sohn auf der kriminellen Seite der Barrikade. Als Hank zur Beerdigung anreist, beachtet er ihn kaum. Aber was, wenn plötzlich der Vater, der nachts einen Mann überfahren haben soll, verhaftet und nicht nur wegen Fahrerflucht, sondern wegen Mordes angeklagt wird?

David Dobkins Stil bleibt grobmotorisch

Als Hybrid zwischen Familiendrama und Justizthriller entwickelt David Dobkin „Der Richter: Recht oder Ehre“ – ein Regisseur, der sich bislang durch eher flachhumorige Komödien („Die Hochzeits-Crasher“, „Wie ausgewechselt“) auszeichnete. Mit dem hochkarätig besetzten Drama – Robert Duvall und Robert Downey Jr. geben Vater und Sohn – bewegt sich Dobkin zwar auf die andere Seite der Genre-Skala, sein Stil aber bleibt durchaus grobmotorisch. So penetrant er seinem Komödienpublikum die Pointen unter die Nase reibt, so platt beschwört er nun große Emotionen herauf. Da muss schon mal ein Tornado her, damit Vater und Sohn sich in sturmumtoster Nacht gründlich die Meinung sagen können und die familiäre Katharsis in die Gänge kommt. Dabei ist schon früh offensichtlich, dass sich hinter der Halsstarrigkeit des Alten verletzte elterliche Gefühle verbergen und die Arroganz des Jungen nur das Ringen um väterliche Anerkennung widerspiegelt.

Bis aber die beiden Männer zu ihrem weichen Kern vordringen dürfen, müssen noch tonnenweise Missverständnisse aus dem Weg geräumt und etliche Familiengeheimnisse gelüftet werden. Dass dies teilweise vor Gericht geschieht, steigert den emotionalen Schauwert ins Demonstrative. Immerhin sieht man den Hauptakteuren gerne bei der Arbeit zu. Kaum auszudenken, was diese beiden Schauspieler mit einem nuancierten Drehbuch und einer besonnenen Regie gemeinsam hätten auf die Leinwand zaubern können.

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