Kultur : Venedig wollte „Parfum“

Festivalchef preist Tom Tykwers Werk als idealen Eröffnungsfilm – Produzent Constantin lehnte ab

Jan Schulz-Ojala

Der deutsche Film ist mit einigen internationalen Koproduktionen, Edgar Reitz’ „Heimat-Fragmenten“ sowie Kurzfilmen beim 63. Filmfestival in Venedig sehr überschaubar präsent. Geradezu unübersehbar aber hätte er auch geraten können – mit Tom Tykwers „Das Parfum“. Festivalchef Marco Müller jedenfalls sah in ihm den „idealen Eröffnungs- und Wettbewerbsfilm“. Dass er ihn nicht bekommen habe, berühre einen „wunden Punkt“ seiner Programmplanung, sagte er dem Branchenblatt „blickpunkt:film“.

Eine Schlappe für Venedig und eine Schlappe für den deutschen Film: Mit „Das Parfum“ hätte erstmals seit Menschengedenken ein deutscher Film eines der ganz großen Festivals eröffnet – sieht man einmal von Tykwers „Heaven“ ab, der 2002 als deutsches Heimspiel die Berlinale eröffnete. Auch hat Tykwer sowohl zu Marco Müller, der als Festivalchef von Locarno 1997 seinen Film „Winterschläfer“ ins Programm nahm, als auch zu Venedig beste Beziehungen. Dort feierte „Lola rennt“ 1998 seinen internationalen Durchbruch, zwei Jahre später war am Lido Tykwers „Der Krieger und die Kaiserin“ zu sehen.

Der Regisseur sagte gestern gegenüber dem Tagesspiegel, natürlich wäre es „toll“ gewesen, mit seinem neuen Film das Festival am Lido zu eröffnen. Er stelle sich aber hinter die „strategische Entscheidung“ der Constantin-Film, mit „Das Parfum“ direkt ins Kino zu gehen. So werde er ohne „spezifische Vorbelastung auf die Menschheit losgelassen“. Tatsächlich setzt das Unternehmen nur zögernd auf Festivals. Schon bei Oliver Hirschbiegels „Der Untergang“ hatte die Constantin entsprechende Anfragen abgelehnt. Die Firma war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Das Parfum“ nach dem Roman von Patrick Süskind, eine in Englisch gedrehte, internationale 50-Millionen-Euro-Produktion, soll nun als dennoch „spezifisch deutscher Film“ (Tykwer) am 14. September zuerst in Deutschland starten. Binnen weniger Wochen folgen weitere europäische Länder, ein US-Start ist noch vor Jahresende vorgesehen. Das Festival von Venedig (30. August – 9. September) eröffnet nun mit einer anderen Literaturverfilmung: Brian de Palmas „The Black Dahlia“ nach dem Roman von James Ellroy.

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