Verbotener Regisseur Jafar Panahi : Fliegender Teppich

Jafar Panahi durfte nicht zur Berlinale reisen - aber der staatlichen Nachrichtenagentur des Irans ein Interview geben. Kulturpolitisches Tauwetter ausgerechnet in Teheran?

von
Er hätte dort sein dürfen sollen: Das iranische Regime lässt Jafar Panahi nicht ins Ausland reisen, wie hier von Berlinale-Besuchern gefordert. Doch es gibt sanfte Anzeichen eines Einlenkens.
Er hätte dort sein dürfen sollen: Das iranische Regime lässt Jafar Panahi nicht ins Ausland reisen, wie hier von...Foto: Kay Nietfeld/dpa

Wer hätte das gedacht: Auf der Suche nach Hoffnung wird man in diesen weltpolitisch so düsteren Tagen ausgerechnet im Iran fündig. Gibt es dort ein Tauwetter, zumindest kulturpolitisch, kündigt sich gar ein Teheraner Frühling an?

Kaum hat der mit Berufs- und folglich Interviewverbot belegte Regisseur Jafar Panahi für seinen Film „Taxi“ unter großer internationaler Zustimmung den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen, äußert er sich in einem Interview „glücklich“ über den Erfolg. Und fügt zugleich an, er hätte den Film ebenso gerne auf dem zeitgleich zur Berlinale stattfindenden Teheraner Fajr-Filmfestival gezeigt.

Sensationell daran ist nicht nur, dass Panahi, der seit Jahren nur durch seine ins Ausland geschmuggelten Filme spricht, ein Interview gibt, sondern dass ausgerechnet die staatliche Nachrichtenagentur Irans es verbreitet. Panahi greift dort sogar offen die Behörden an, die mit ihrer Dauerkritik an der Aufführung seiner Filme im Ausland nur von ihrer eigenen rigorosen Zensurpolitik ablenkten.

Julie Maroh konnte im Iran erscheinen

Zu diesen verblüffenden Wendungen passt, dass trotz harter Hand gegen Homosexuelle jüngst in Iran eine Übersetzung von Julie MarohsBlau ist eine warme Farbe“ hat erscheinen können – die Graphic Novel und Abdellatif Kechiches 2013 mit der Goldenen Palme ausgezeichneter Film erzählen von einer lesbischen Liebe. Zwei extrem konservative Webportale, „Salehin“ und „Chamrannews“ greifen deshalb nun den iranischen Kulturminister Ali Dschannati massiv an. Die Veröffentlichung stehe gegen „alle religiösen und moralischen Werte der iranischen Gesellschaft“.

Man reibt sich die Augen: Hier offizielle Öffentlichkeit für Jafar Panahi, dort ein strukturell begrüßenswerter Meinungspluralismus, der Kritik an Autoritäten einschließt, von woher auch immer? Schon kurios, wenn das als Schurkenstaat vielgescholtene Regime Irans plötzlich weich würde. Also in Maßen offen, ja, modern. Der rote Teppich dafür sei vorsichtig ausgerollt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben