Kultur : Verlagsgruppe Cornelsen baut um

Der Duden bald in Berlin – mit kleinerem Team?

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Man kann die Entscheidung der Berliner Verlagsgruppe Cornelsen, den 2009 erworbenen, in Mannheim ansässigen Verlag Bibliographisches Institut umzustrukturieren, natürlich so schön verkürzt bejubeln wie Klaus Wowereit. „Der Duden wird Berliner“, freute sich Berlins Regierender, ungeachtet der Tatsache, dass es dem Duden, der beim Bibliographischen Institut erscheint, ebenso wie seinen Benutzern egal sein dürfte, ob er in Mannheim oder Berlin produziert wird. Überhaupt nicht egal aber ist es den Mitarbeitern des Mannheimer Verlags, die für den Duden zuständig sind. Sie müssen nun überlegen, ob sie nach Berlin mitziehen wollen oder nicht.

Von den 195 Mitarbeitern des Bibliographischen Instituts sollen nur 30 am alten Standort bleiben, sie gehören der sprachtechnologischen Sparte des Verlags an und sind unter anderem für den „Duden-Sprachkorrektor“ zuständig. Weitere 40 arbeiten für Kinder- und Jugendbuchverlage wie Meyers und Sauerländer, für die Cornelsen einen Käufer sucht. Mit dem großen Rest der Mitarbeiter werden nun Umzugsgespräche geführt. Dabei kann man davon ausgehen, dass die Belegschaft des Bibliographischen Instituts kleiner wird. Das haben Verlagsumzüge so an sich.

Hintergrund des Duden-Umzugs ist ein Strategiewechsel der gesamten Cornelsen-Gruppe. Das Kerngeschäft mit den Schulverlagen soll gestärkt werden, zudem will man zunehmend in digitale Geschäftsbereiche investieren. Der Duden mit seinen 500 000 verkauften Exemplaren der 2010er-Ausgabe ist natürlich ein Renner, genau wie die Meyer-Atlanten. Andere Bereiche der Verlagsgruppe haben aber keine Spitzenpositionen auf dem Buch- und Fachbuchmarkt. Deshalb trennt Cornelsen sich nicht nur von den Kinder- und Jugendbuchverlagen, sondern auch vom Oldenbourg Wissenschaftsverlag, der in München sitzt, und vom Akademie Verlag mit Sitz in Berlin. Ebenfalls zum Verkauf steht die Nachhilfe-Sparte, da diese keine Synergieeffekte mit den restlichen Unternehmensteilen der Gruppe zeitige. „Ja, wir werden deutlich schlanker aufgestellt sein“, erklärte Alexander Bob, Vorsitzender der Cornelsen-Geschäftsführung im „Börsenblatt“. Was aber auf die Qualität des Dudens und seines Internetablegers „duden.de“ ganz sicher keine negativen Auswirkungen haben werde, wie Unternehmenssprecher Klaus Hochluch in Berlin bekräftigt.

Gewissermaßen in Berliner Hand ist der Duden ja schon seit drei Jahren: Die Cornelsen-Gruppe wurde 1946 in Berlin gegründet. Von den über 3000 Mitarbeitern arbeitet ein Drittel hier in der Zentrale. Gerrit Bartels

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