Verleihung des Literaturnobelpreises : Patti Smith singt für abwesenden Bob Dylan

Bob Dylan bleibt der Verleihung des Literaturnobelpreises fern, aber er hat eine Rede vorbereitet. Und Patti Smith vertritt ihn in Stockholm zumindest mit einem seiner Songs.

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Kommt nicht persönlich nach Stockholm: Bob Dylan
Kommt nicht persönlich nach Stockholm: Bob DylanFoto: dpa/EPA/Jim Lo Scalzo

Nachdem Bob Dylan angekündigt hatte, dass er „wegen Terminschwierigkeiten“ den Literaturnobelpreis am kommenden Samstag, 10. Dezember, nicht persönlich in Stockholm abholen könne, schlug ihm heftiger Gegenwind entgegen. Man könnte auch sagen: harter Regen. Was können das für Termine sein, die wichtiger sind als dieser Weltliteraturpreis, der zum ersten Mal einem Sänger verliehen wird? Und ist das Fernbleiben von der Ehrung bloß dreist oder schon arrogant

Dylan hat sich zum Phantom stilisiert. Seine eigene Person in der rätselhaften Metaphorik seiner Lieder verschwinden zu lassen, daraus hat er große Kunst gemacht. Der Rumtreiber, den er im Spätwestern „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ heißt „Alias“, und im Biopic „I’m Not There“ wird er gleich von sechs Schauspielern dargestellt.

Patti Smith wird in Stockholm „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ singen

Auch in Stockholm lässt sich der Singer/Songwriter nun vertreten. Patti Smith wird für ihn auf der Bühne stehen und Dylans Protestlied „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ singen, wie die Schwedische Nobelpreis-Akademie per Twitter mitteilte.

Das Lied, das 1962 auf seinem zweiten Abum „The Freewheelin’ Bob Dylan“ herauskam, gehört nicht nur zu den meistinterpretierten, sondern auch zu den längsten Werken des Autors. Mit seinen 58 langen Zeilen ist es schon eher eine Erzählung als eine Kurzgeschichte.

Entstanden kurz bevor es in der Kuba-Krise zum atomaren Showdown zwischen Kennedy und Chrutschschow kam, wurde es lange für ein Antikriegslied gehalten. Darauf scheinen Sätze wie „I heard the sound of a thunder that roared out a warnin’ / Heard the roar of a wave that could drown the whole world“ hinzudeuten. Aber Dylan versicherte der Regen, von dem er da singt, sei kein nuklearer Fallout, sondern „harter Regen“.

Außerdem soll der Preisträger eine Rede vorbereitet haben, die beim Nobel-Bankett vorgetragen werden wird. Von wem, ist bislang unklar. Es ist Bedingung, dass der Gewinner des Literaturnobelpreises innerhalb von sechs Monaten nach der Verleihung eine Rede vorträgt. Traditionell halten die Preisträger eine solche Nobel-Rede in der Woche vor der Zeremonie. Nur eines hat Dylan der Schwedischen Akademie bei der Frage nach dem Vorleser deutlich gemacht: „It Ain’t Me Babe“.

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