Kultur : Verspannt

Der Kunstsalon gewinnt unter neuer Leitung

Claudia Wahjudi

Besucher des Berliner Kunstsalons können auch in dessen achter Ausgabe noch ihr kleines Wunder erleben. Ein Duett für E-Gitarre und grüne Plastikgießkanne gab es zur Eröffnung der Produzentenmesse in der Weddinger Uferhalle zu hören, aufgeführt von Kerstin Wagner und Judith Schwinn. Und auch auf dem Weg über den großzügigen Parcours mit seinen wenigen Kojen lässt sich Unerwartetes finden. Zum Beispiel die Fotos von jenen Toastbroten, die Steffen Cyrus mit Honig, Erdnussbutter und Ei in abstrakte Malerei verwandelt hat. Cyrus, der in Weimar, Wien und Berlin-Weißensee studierte, hat auch schon kleine Gemälde in öffentlichen Toiletten aufgehängt. Die Finder durften sie behalten.

Der Leiter des Salons, der Künstler Edmund Piper, hat hart kuratiert. Denn in diesem Jahr müssen rund 2500 Quadratmeter Fläche reichen, davor waren es viermal so viel. Piper entscheidet allein, ohne Beirat und Jury. Und so setzen die 46 teilnehmenden Künstler und Künstlergruppen trotz vieler Fotografien und Gemälde den Schwerpunkt erkennbar auf Installation und Skulptur. Piper mache seine Kriterien transparent und argumentiere, das sei mehr, als man andernorts erfahre, sagen die Malerinnen Susanne Knaack, Tine Schumann und Andrea Streit, die gemeinsam mit Kollegen eine große Koje gemietet haben.

Die straffe Hand hat dem Salon gutgetan. Im vergangenen Jahr hatte Piper einen Partner die Messe ausrichten lassen, der den 7. Kunstsalon zum Debakel geraten ließ, in einem alten Schlachthof mit Löchern in der Decke und ausfallender Beleuchtung. Nun ist Piper zurück und hat in der Industriehalle am Pankeufer die Sichtachsen so arrangiert, dass sich die Arbeiten aneinander messen lassen. Schnell zeigt sich, dass auch viele solide Zeichnungen dabei sind und manch Untermittelprächtiges, gern mit nacktem Fleisch. Ebenso wird deutlich: Hier geht es um den Alltag in den weltweit vernetzten Städten – metaphorisch wie buchstäblich. Überall tauchen Autos, Mobiltelefone, Pixel auf oder haben Künstler Wolle und Drähte gespannt – oder Garn wie Manuela Johanna Covini in ihren maschinenbestickten filigranen Filzbildern, die Zeitungsberichte über den Kunstmarkt kommentieren.

Apropos Markt. Die Preise beginnen bei etwas über 100 Euro, kostet eine Arbeit 8000 Euro, ist das schon viel. Der Publikumspreis im Wert von 1200 Euro, den der Kunstsalon am Sonntagabend erstmals vergibt, wird in Naturalien ausgezahlt: Der Gewinner erhält einen Gutschein für Künstlerbedarf. Der Kunstsalon, das ist Berlin real. Claudia Wahjudi

Kunstsalon, Uferstr. 8; bis 11.9., Sa 14–22 Uhr, So 12–20 Uhr, Ticket: 5 €.

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