Vertikale Gärten : Tropen an der Wand

Patrick Blanc hat ein Stück Regenwald nach Berlin gebracht – sein botanisches Kunstwerk bei Dussmann ist das größte Pflanzenkunstwerk in einem Gebäude in Europa.

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Der Vertikale Garten bei Dussmann ist 15 Meter breit und 18 Meter hoch. 6672 tropische Pflanzen von 157 Arten wachsen jetzt zu einem lebendigen Kunstwerk heran. Fünf Wasserfälle bewässern das Projekt zusätzlich.
Der Vertikale Garten bei Dussmann ist 15 Meter breit und 18 Meter hoch. 6672 tropische Pflanzen von 157 Arten wachsen jetzt zu...Foto: Mike Wolff

Es plätschert beruhigend und das Auge bekommt etwas zu sehen. 6.672 Pflanzen wachsen senkrecht an einer 15 Meter breiten und 18 Meter hohen Wand, ein mit Pflanzen gemalter Dschungel, eine faszinierende Komposition. Diagonal ziehen sich ganze Pflanzenkohorten über das lebendige Gemälde. Patrick Blanc, der Schöpfer dieser „Mur Végétal“, klettert vom Gerüst, nachdem er einem französischen Fernsehteam alles erzählt hat, die Haare grün gefärbt und ein Glas Champagner in der Hand. Patrick Blanc kam vor Weihnachten nach Berlin, um im Kulturkaufhaus Dussmann die letzten Arbeiten an der großen Wand im Veranstaltungsraum zu überprüfen, dort, wo die Sphinx steht. Die bekommt jetzt einen tropischen Hintergrund. Patrick Blanc malt mit Blumen ein lebendiges Gemälde, das hier bei Dussmann erstmals auch mit fünf dezenten Wasserfällen und Fischen arbeitet. Es ist – nebenbei bemerkt – die größte Gartenwand, die er in Europa je in einem Gebäude gestaltet hat.

Vertikaler Garten
Hier bekommt man schon einen Vorgeschmack darauf, wie üppig sich die Vegetation im Laufe der Zeit entwickeln wird.Weitere Bilder anzeigen
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23.01.2012 16:29Hier bekommt man schon einen Vorgeschmack darauf, wie üppig sich die Vegetation im Laufe der Zeit entwickeln wird.

„Mittlerweile werde ich eingeladen, um ein Projekt zu realisieren. Ich reise an, schau mir den Ort und die Bedingungen an und dann entscheide ich und schlage vor, was zu tun ist. So etwa in Bahrain. Dort habe ich mir die Stadt angeschaut und auf der Grenze zwischen Alt- und Neustadt ein ,Grünes Tor‘ entworfen, das an die Tradition der Oasen erinnert. In Berlin wollten sie die Wand erst niedriger haben, aber das geht gar nicht. Man muss einfach in diesem Fall die ganze Wand bespielen. Beim Hotel Athenaeum in London am St. James Park wollten sie die ganze Fassade begrünt haben, doch dort habe ich gesagt, nur die Ecke, das hebt das Ganze besser hervor und setzt einen Akzent. Manchmal ist weniger mehr und umgekehrt. In Berlin ist es eben mehr geworden.“

Der Botaniker und Gartenkünstler Patrick Blanc vor seinem Vertikalen Garten bei Dussmann. Es ist das größte Indoor-Projekt in Europa.
Der Botaniker und Gartenkünstler Patrick Blanc vor seinem Vertikalen Garten bei Dussmann. Es ist das größte Indoor-Projekt in...Foto: Mike Wolff

Patrick Blanc kennt sich mit Pflanzen aus. Alexander von Humboldt hätte seine Freude daran gehabt, ihn kennenzulernen. „Als ich fünf, sechs Jahre alt war, faszinierten mich Pflanzen und Fische. Tropische Fische sind in der Regel klein, also kann man in einem kleinen Aquarium eine ganze große Welt erschaffen. Man braucht dazu noch Pflanzen und Licht.“ Später hat er auf dem Gymnasium in der „Deutschen Aquarien- und Terrarienzeitschrift“ (DATZ), die er noch immer liest, erfahren, dass Pflanzen das Wasser von Nitraten reinigen können. „Das hat mich fasziniert. Man sollte Philodendron mit den Wurzeln ins Wasser setzen, um es zu reinigen. Ich habe ein paar Philodendren bei meiner Mutter im Wohnzimmer abgeschnitten und ins Wasser gesetzt. Und siehe da, die Pflanze ist von selbst gewachsen, wurde immer größer, ich hatte nichts damit zu tun, keine Arbeit, nichts. Und die Pflanze war schön anzuschauen. Heute reinigen viele die Wasserbecken mit Pflanzen. Anfang der sechziger Jahre war das neu.“

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