Kultur : Vier Füße

Neue Räume für Sexauer Gallery und Circle Culture.

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Grüner Himmel. Jay Gards Installation „Torbogen“ in der Galerie Sexauer. Foto: Galerie
Grüner Himmel. Jay Gards Installation „Torbogen“ in der Galerie Sexauer. Foto: Galerie

Quereinsteiger sind beide nur auf den ersten Blick. Jan-Philipp Sexauer kauft seit Jahren am liebsten Arbeiten von Künstlern, mit denen er befreundet ist. Seine Transformation vom Rechtsanwalt zum Galeristen wirkt wie ein logischer Schritt. Schließlich muss man sich immer mal wieder von Werken trennen, um anderes zu erwerben.

Doch Sexauer käme gar nicht auf die Idee, in seinen neuen Räumen in Weißensee mit der eigenen Sammlung zu handeln. Die erste Ausstellung zeigt eindrucksvoll, was ihm für die Zukunft vorschwebt: der Aufbau junger Künstler wie Jay Gard. Der 1984 in Halle Geborene hat zur Eröffnung der Galerie unter anderem die Installation „Torbogen“ verwirklicht. Eine wuchtige Skulptur aus selbst gebauten Sideboards, deren Schubfächer auf den Besucher zu stürzen drohen; die ihn aber auch umfängt, sobald er sich in ihre meterhohe Wölbung stellt.

Brauchbar ist von diesen Möbeln, die Gard nach der Serie „602“ des DDR-Designers Franz Ehrlich gebaut hat, bloß jenes, das mit allen vier Füßen auf dem Boden steht. Der Rest verwandelt sich in eine irritierend schwerelose Arbeit, die die Grenzen zwischen Kunst und Design verschleift: „Torbogen“ besteht aus 20 nahezu identischen Gebrauchsobjekten, die nach der Ausstellung auseinandergebaut werden und wieder als Sideboard nutzbar sind. Das Transitorische dieser Arbeit passt perfekt in Sexauers Konzept, das die nächste Ausstellung dann überraschend ergänzt: mit Herbert Volkmann und seiner weit längeren, dafür umso brüchigeren Biografie.

Die Galerie Circle Culture kannte man bislang eher als Schnittstelle von Pop und Street Art. Über zehn Jahre fungierten die Räume von Johann Haehling von Lanzenauer als Plattform vor allem subkultureller Phänome. Davon ist wenig übrig in jener Halle, die er jetzt auf der Potsdamer Straße eingeweiht hat. Ein Raumschlauch von rauer Schönheit und dennoch ganz klassisch zur Galerie ausgebaut, die die Künstler des aktuellen Programms – das ebenfalls um einiges etablierter wirkt – mit ihren Arbeiten füllen.

Allen voran Maya Hayuk, deren vielfarbig abstrakte Wandmalerei förmlich ins Auge springt. Bevor man doch erkennt, dass die Werke von Jonathan Yeo, Marco „Pho“ Grassi oder Stefan Strumbel miteinander verbunden sind und ihre Auswahl sehr wohl in der Geschichte der Galerie gründet. Fast alle sind mit der Street Art, der Graffiti- oder Skateboarder-Szene verknüpft. Vor diesem Hintergrund entfaltet die Ausstellung ihr ganzes ästhetisches Potenzial und zeigt, dass die Circle Culture Gallery ein eigenes, unverwechselbares Profil besitzt. Christiane Meixner

Sexauer Gallery, Streustr. 90; bis 16.1., Di–Fr 15–18 Uhr, Sa 13-18 Uhr / Circle Culture Gallery, Potsdamer Str. 68; bis 10.1., Di–Sa 12–18 Uhr

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