Vier Wochen vor Eröffnung des Festivals : Bayreuth: Dirigent Nelsons schmeißt hin

Andris Nelsons sollte bei den Bayreuther Festspielen „Parsifal" dirigieren. Doch der Lette schmeißt hin - knapp vier Wochen vor der Premiere.

Frederik Hanssen
Andris Nelsons
Andris NelsonsFoto: Jan Doitas / dpa

Vier Wochen vor der Eröffnung der Bayreuther Festspiele ist Festivalchefin Katharina Wagner ihres Premierendirigenten verlustig gegangen. Der Lette Andris Nelsons, der am 25. Juli die Neuinszenierung des „Parsifal“ musikalisch leiten sollte, hat den Grünen Hügel verlassen, weil „die Umstände der diesjährigen Festspiele nicht die Atmosphäre ermöglichten, die Nelsons für seine künstlerische Arbeit benötigt“. Über diese dürre Pressemitteilung hinaus wollen sich weder der Maestro noch das Festival zu dem Vorfall äußern – mehrere Insider berichten aber übereinstimmend, dass Nelsons Abreise mit Christian Thielemann zu tun habe. Der Berliner Dirigent, der den Titel eines Bayreuther Musikdirektors trägt, soll sich massiv in die Probenarbeit seines Kollegen eingemischt haben.

Übernimmt Christian Thielemann nun?

Er sähe seine Aufgabe darin, Erfahrungen weiterzugeben, hatte Thielemann vor zwei Jahren seine Funktion gegenüber dem Bayerischen Rundfunk definiert: „Es geht nicht darum, ein Orchester- oder Choraufpasser zu sein, oder gar ein Musikdirektor, der keine anderen Dirigenten zulässt.“ Nach Nelsons Abreise wird vermutet, dass Thielemann nun selber das „Parsifal“­Dirigat übernehmen könnte. Unklar ist, ob Nelsons nach dem Eklat auch seinen Vertrag für die nächste Produktion von Wagners „Ring des Nibelungen“ 2020 in Bayreuth auflösen wird. Bereits im November 2014 war die Bayreuther „Parisfal“­Produktion in die Schlagzeilen geraten: Damals trennte sich die Festspielleitung von dem ursprünglich für Inszenierung und Ausstattung vorgesehenen Jonathan Meese mit dem Argument, er habe ein „nicht finanzierbares“ Konzept vorgelegt. Als Ersatzregisseur wurde kurz darauf der Wiesbadener Theaterintendant Uwe Eric Laufenberg bekanntgegeben.

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