Vulkan-Film „Eyjafjallajökull“ : Rosenkrieg in Aschewolke

Die Aschewolke des nahezu unaussprechlichen isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hat es nun auf die Leinwand geschafft und stellt die Weichen für einen krachenden Rosenkrieg-Roadmovie.

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Reisen auf Französische: "Eyjafjallajökull".
Reisen auf Französische: "Eyjafjallajökull".Foto: dpa

Stolz zeigen Vater und Mutter den Mitreisenden ihre Familienfotos. Schließlich wird die Tochter in drei Tagen heiraten, da kommt schon ein wenig Stolz auf. Was die dokumentierte Idylle jedoch empfindlich stört, ist die nachträgliche Bearbeitung der Fotos, auf denen die beiden Elternteile die Köpfe des jeweils anderen geschwärzt oder diese per Zigarette sogar weggebrannt haben.

Alain (Dany Boon) und Valérie (Valérie Bonneton) sind seit 20 Jahren geschieden und hassen sich wie an ihrem letzten Ehetag. Folglich verspricht die geplante Hochzeit ihrer Tochter Cécile in Griechenland den totalen Super-Stress. Zumal das Flugzeug, auf das die zerstrittenen Eltern gemeinsam gebucht wurden, bereits in München wieder zu Boden gehen muss – die Aschewolke des nahezu unaussprechlichen isländischen Vulkans Eyjafjallajökull legt gerade den Flugverkehr in Europa lahm. Alain ergattert am Airport den letzten Mietwagen, und die kampfeslustige Valérie drängt sich als Mitfahrerin im schmucken Porsche auf.

Womit krachend die Weichen für das noch frische Subsubsubgenre des postmaritalen Rosenkrieg-Roadmovies gestellt wären: Mal machen Ex-Gatte und Ex-Gattin sich das Leben mit kindischer Fantasie, mal mit glühendem Hass zur Hölle. Vom Streit über den Platz im Doppelstockbett über geschrottete Luxuslimousinen bis zum Kapern und Notlanden eines Privatflugzeuges saugt sich Regisseur und Drehbuchautor Alexandre Coffre immer aberwitzigere Steigerungsformen nachehelicher Aggression aus den Fingern – wobei im nicht enden wollenden Zerrüttungskrieg auch die Geduld des Publikums erodiert.

Vor allem die Klärung der nicht ganz irrelevanten Frage, warum die Kombattanten sich so abgrundtief hassen, bleibt weitgehend offen. So erschließen sich die Seelenwunden ebenso wenig wie die gelegentlichen Momente gegenseitiger Anziehung, die die redundante Episodenstruktur auch nur in Maßen auflockern. Immerhin ist Valérie Bonneton als versierte Furie beherzt bei der Sache. Dany Boon dagegen tritt auch sieben Jahre nach den „Scht’is“ als Komödiant noch immer auf der Stelle.

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