Wahlen in Italien : Zehn Gründe für Silvio Berlusconi

Gegen Silvio Berlusconi laufen mehrere Gerichtsverfahren, er soll korrupt sein und Sex mit einer Minderjährigen gehabt haben. Trotzdem werden ihn viele Italiener wieder wählen. Unser Autor Wolfgang Prosinger kennt die Gründe dafür.

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Viele Italiener werden erneut Berlusconi wählen, während der Rest Europas seine Rückkehr fürchtet.
Viele Italiener werden erneut Berlusconi wählen, während der Rest Europas seine Rückkehr fürchtet.Foto: dpa

Ruinierte Wirtschaft, Sex-Skandale, Korruptionsverfahren. Silvio Berlusconi, mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt, müsste eigentlich am Ende sein. Keine Chance bei den Wahlen vom Sonntag und Montag, sagten die Umfragen bis vor kurzem. Doch jetzt schnellen seine Werte wieder in die Höhe. Wenn dieser Trend anhält, könnte er noch einmal das Land regieren.

1. Italianissimo

Isst gern, trinkt gern, singt gern, schaut den Frauen nach, geht ins Fußballstadion und färbt die Haare. Einer, der die Politik nicht immer so bitterernst nimmt. Einer der sich beim würdigen G-8-Gipfel auch mal hinter einer Säule versteckt und „huhu“ ruft. Simpatico, der Silvio, ein Spieler, der fünfe gerade sein lässt. Einer wie wir alle, denken viele. Forza Italia!

2. Das Feuerwerk

Kein anderer Politiker in Europa besitzt eine solche Medienmacht. Die drei meistgesehenen Privatsender des Landes gehören ihm. Und hier werden Berlusconi-Feuerwerke gezündet. Hier inszeniert er sich als „besten Politiker Europas“, als das Opfer roter Richter und Staatsanwälte, als besorgten Landesvater und Anwalt der kleinen Leute. Wer keine anderen Medien konsumiert – und das sind viele in Italien – glaubt diese Fälschung.

3. Das Blaue vom Himmel

Schon immer war Berlusconi ein Großmeister der Versprechungen. Auch diesmal wirft er mit Wahlgeschenken um sich: vier Millionen neue Jobs, Abschaffung der bei vielen verhassten Immobiliensteuer, Amnestie für Steuerhinterzieher. Das Blaue vom Himmel. In Italien ist die Hoffnung blau. Wie die Farbe der Trikots der Azzurri.

4. Der Anti-Monti

Mit solchen Verheißungen baut er sich zur Gegenfigur des bisherigen Regierungschefs Mario Monti auf. Der steht für ein hartes Sparprogramm, hat den Italienern nicht wenige Zumutungen beschert und deshalb manchen Volkszorn auf sich gezogen. Davon profitiert Berlusconi.

Italien feiert Berlusconis Rücktritt
12.11.2011: Rund um Berlusconis Privatvilla Grazioli versammelt sich die Masse mit Fahnen und feierte den Rücktritt des Ministerpräsidenten.Weitere Bilder anzeigen
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12.11.2011 21:4512.11.2011: Rund um Berlusconis Privatvilla Grazioli versammelt sich die Masse mit Fahnen und feierte den Rücktritt des...

5. Der Anti-Europäer

Vielen gilt Monti zudem als Büttel Europas und besonders der deutschen Kanzlerin, deren Spardiktat er sich allzu bereitwillig beuge. Auch hier inszeniert sich Berlusconi als Gegenspieler. Er repräsentiert den Nationalstolz des freien Italieners, der sich nie und nimmer ausländischen Mächten unterwerfen wird.

6. Teufel an der Wand

Der Kommunismus ist untergegangen – nur in Italien nicht. Könnte man glauben, wenn man Berlusconi zuhört. Überall wittert er die rote Gefahr. Ein uritalienisches Phänomen. Nirgendwo anders im Westen war die kommunistische Partei so stark. Jahrzehntelang standen sich zwei Betonblöcke gegenüber, zwei „Kirchen“: die katholische und die kommunistische. Don Camillo und Peppone. Das hat sich längst geändert. Aber in den Köpfen hat sich dieses Lagerdenken festgehakt.

7. Kredit verspielt

Noch sagen die Umfragen einen knappen Sieg der Sozialdemokraten voraus, die dann mit der Mitte-Partei von Mario Monti die Regierung stellen könnten. Aber die Linke hat viel Kredit verspielt. Streitigkeiten, Flügelkämpfe, Theoriedebatten – die Herzen fliegen ihr nicht zu.

8. Der Blasse

Das ist auch das Handicap des sozialdemokratischen Spitzenmanns Pierluigi Bersani. Kein Charismatiker, eher ein solider Arbeiter im Weinberg der Politik. Freundlich, aber eben bloß freundlich. Dass er eine CD mit selbst gesungen Lieder herausbringen würde wie Berlusconi – undenkbar.

9. Il Furbo

Ganz zufällig kann es ja nicht sein, dass es Berlusconi zum Milliardär gebracht hat. Von Wirtschaft und Finanzen muss er etwas verstehen. Auch wenn es beim Geldmachen vielleicht nicht immer mit ganz rechten Dingen zugegangen sein mag. Gerade das, denken viele, qualifiziert ihn für höhere Weihen. Tricksen will gelernt sein. „Il Furbo“ nennen die Italiener so einen. „Il Furbo“, der Schlaue, der Clevere.

10. Latin Lover

Orgien in der Villa auf Sardinien, die Ehefrau jahrelang betrogen, vielleicht sogar Sex mit einer Minderjährigen. Im katholischen Italien! Aber Berlusconi kann das nichts anhaben. 16 Prozent der Italiener, das hat eine neue Umfrage ergeben, bewundern ihn dafür, und 30 Prozent sind die Eskapaden egal. Kann denn Liebe Sünde sein?

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