Kultur : Weltuntergänge „The Day Before ...“

an der Schaubühne

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Ja, warum denn auch nicht? Warum soll ein ungeschickter Bühnentechniker namens Niels, der Leinwände zertrümmert und Computer abstürzen lässt, nicht der neue Messias sein? Warum soll ein liebenswürdiger schwuler Nerd nicht die Welt retten – so viele andere haben es vor ihm versucht und auch nur Teilerfolge erzielt.

Yael Ronen, die junge israelische Regisseurin, weiß, wovon sie spricht. Sie hat mit ihrer Truppe – Israelis, Palästinenser, Deutsche – ein Stück gezimmert, oder vielmehr einen kabarettistischen Abend, der vom Dritten Weltkrieg handelt, oder vielmehr von religiösem Irrsinn, Verschwörungstheorien, Jerusalem-Syndrom usw. „The Day Before the Last Day“ an der Schaubühne lässt sich locker an. Ein Futurologe erklärt, warum es zwischen 2018 und 2020 zum finalen Crash kommt. Oder auch nicht.

Einstweilen üben sich die sieben Akteure in Panik, versuchen in das Drama hineinzufinden oder auch aus ihm heraus, das sie nun eben erst mal entwickeln müssen. Ja, klingt nach Pirandello, Tabori, Woody Allen, die haben wunderbare Backstage-Tragikomödien geschrieben. Aber es ist zu viel der Ehre und eine zu große Last, die Granden hier zu erwähnen. Niels ist der Auserwählte, er soll sterben, so steht es geschrieben. Ihn erwartet ein erstklassiger Bühnen- und Verwechslungstod – mehr zu verraten, würde dem dünnen Armageddon-Training die beste Pointe nehmen. Denn alles, was Yael Ronens „Dritte Generation“ – das Stück hat sie bekannt gemacht – auszeichnete, fehlt hier, will nicht gelingen. Damals jonglierte das Ensemble mit der Erinnerung an den Holocaust, verlogener Betroffenheit und bequemen Klischees, dass einem Hören und Sehen verging und oft nur ein befreiendes Lachen blieb. Das Evangelium nach Niels klingt harmlos, die Hinterbühnenspielchen sind durchschaubar, die Religionswitze flach. Niels stirbt umsonst. Rüdiger Schaper

Wieder am 4. und 30. September und vom 1. bis 3. 10 Oktober

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