Kultur : Wie der Namensgeber

Werner und Maren Otto erhalten den James-Simon-Preis. Beide spiegeln die Intentionen des Namengebers.

Hermann Rudolph

Links vor dem Eingang sein Porträtkopf, leicht umwölkte Züge, dahinter der Gobelinsaal, eine Herzkammer des Bodemuseums - in dem es nur keine Gobelins gibt -, an der Stirnseite eine Kopie der Nofretete, die er nach Berlin holte: zeichen- haft, aurastiftend ist James Simon zugegen bei der ersten Verleihung des Preises "für vorbildliches soziales und kulturelles Engagement in Deutschland", der nach ihm benannt ist. Begangen wird aber auch die Wiederbelebung einer fast verschollenen Erinnerung: Vor ein paar Jahren noch wusste kaum einer etwas mit dem Namen dieses großen Mäzens anzufangen - die Preisträger, das Ehepaar Werner und Maren Otto, räumte sympathischerweise ein, dass es auch ihnen so gegangen sei -, nun geben der Bundespräsident und der Regierende Bürgermeister dem Anlass die Ehre, Gedächtnistafeln bezeichnen die Orte, an denen er lebte, und die Eingangshalle der Museumsinsel soll seinen Namen tragen.

Also ist der kleine Festakt auch ein Zeichen des Gelingens, ein Stück praktizierter Erinnerungskultur. Eine Initiative, angeführt von dem Kunsthändler Bernd Schultz, hat sie vorangetrieben. Er hat über die Handvoll neuer Berliner Saint-Simonisten hinaus auch Sponsoren für eine Stiftung gewonnen; mit ihr hat die Wiedergewinnung dieser Gestalt über Berlin hinaus gegriffen. Aber Simon ist ja auch - wie der Laudator Kurt Biedenkopf sagte - der "wohl bedeutendste Mäzenat und Stifter" nicht nur für Berlin. Und das als "Schlüsselfigur der Berliner Museen" - so Peter Raue, diesmal in der Rolle des Stiftungspräsidenten, aber eben auch- worauf der frühere sächsische Regierungschef Nachdruck legte - als Förderer sozialer Einrichtungen.

Preisträger spiegeln die Intentionen des Namengebers

Angesichts dessen erweist sich die Wahl der Preisträger als Glücksfall. Denn sie spiegeln nachgerade kongenial die Intentionen des Namensgebers: Wie Simon in der Aufstiegszeit des Deutschen Reiches ist Werner Otto, der Versandthaus-Mogul, eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit. Und nicht anders als das große Beispiel haben Werner und Maren Otto ihr Mäzenatentum auf dem sozialen Feld begonnen. Dazu trat dann das kulturelle Engagement - die Restaurierung des Belvedere in Potsdam, der neue Saal im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, zuletzt, eben fertig geworden, der Götz-Friedrich-Platz an der Deutschen Oper.

Es machte den Festakt zusätzlich denkwürdig, dass Otto, bald 99 Jahre alt, den Preis selbst in Empfang nahm. Und dass das Ehepaar das Preisgeld - 50 000 Euro - sogleich der Kinder- und Jugendklinik in Berlin-Buch für ein Eltern-Haus spendete. "Wege entstehen dadurch, dass man sie geht", zitierte Maren Otto ein Kafka-Wort. Im besten Fall öffnen sie Tore in die Zukunft.

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