Wie geht es weiter an der DFFB? : Filmstudenten: Jetzt konstruktiv!

Ein halbes Jahr ohne Chef, der letzte Bewerber geflüchtet: Der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) geht es nicht gut. Nun suchen die Berliner Filmstudenten nach einer neuen Perspektive. Und auch in die Gegenseite, das Kuratorium, kommt Bewegung.

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Fundstück im Filmhaus am Potsdamer Platz.
Fundstück im Filmhaus am Potsdamer Platz.Foto: jal

Den Begriff „schachmatt“ wollte Susanne Heinrich, Regiestudentin wie ihre Mit-Kommilitonen auf dem Podium, bei der Pressekonferenz am Dienstag zwar gern zurücknehmen, schließlich gehe es nicht um „ein Spiel“. Spürbar ermattet aber wirkte das Quartett auf der Bühne des Kinos Arsenal nach den geschlagenen Schlachten durchaus. Und nun gewillt, „konstruktiv nach vorne zu gucken“.

Das ist auch dringend hilfreich angesichts der verfahrenen Lage, in der sich die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) befindet – nach dem Rückzug des letzten Bewerbers um die Akademieleitung, Ralph Schwingel. Eine von der Kamerafrau Sophie Maintigneux angestrengte einstweilige Anordnung steht am 10. April beim Landgericht zur mündlichen Verhandlung an – sie hatte sich als Bewerberin beim DFFB-Kuratorium nicht durchsetzen können. Zudem haben die Studenten unterdessen einen Anwalt mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt. Andererseits dürfte sich das Kuratorium kurzfristig nach dem Gerichtstermin zusammenfinden, um seinerseits einen Weg aus dem Schlamassel zu suchen. Schließlich ist die umkämpfte Chef-Stelle nach dem Weggang von Jan Schütte seit inzwischen einem halben Jahr vakant.

Führen Probevorlesungen zum Ziel?

Die Studenten fordern nun ein völlig neues Ausschreibungsprozedere. So sollen sich die Bewerber in speziellen Vorlesungen, intern „Vorsingen“ genannt, der Akademie zur Abstimmung stellen, die besten werden dann dem Kuratorium zur Entscheidung vorgeschlagen. Der Haken bei dieser Maximalforderung: Das vom Land Berlin als dem DFFB-Eigentümer bestellte Kuratorium wäre einer eigenständigen Kandidatenfindung beraubt.

Mehr Bewegung zeichnet sich bei der künftigen Besetzung des Kuratoriums ab. Dem sechsköpfigen Gremium unter Senatskanzleichef Björn Böhning gehören an: Iris Brockmann (Finanzverwaltung), Produzent Eberhard Junkersdorf, Kirsten Niehuus (Medienboard Berlin-Brandenburg), Claudia Tronnier (ZDF-„Kleines Fernsehspiel“) und Claudia Nothelle (RBB). Vor allem die drei Medien-Institutionen, die die DFFB-Filme fördern bzw. senden, stehen in der Kritik der Studenten. Die Kuratoriumsmitgliedschaft ihrer Vertreterinnen verstoße, so argumentieren sie, gegen Vertragsregeln, wonach sie nicht „in geschäftliche Beziehungen zur Gesellschaft“ DFFB treten dürften.

Abgesehen davon, dass juristisch hier nur der persönliche geschäftliche Vorteil zählen dürfte, zeigt die Kuratoriumsseite unterdessen Bereitschaft, das Gremium personell zu verändern, etwa zusätzlich mit einem in der Lehre oder der Filmregie erfahrenen Mitglied. Nicht auszuschließen, dass so – auch ohne „Vorsingen“ – eines näheren Tages wieder Schwung in die Sache kommt.

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