Williams Shaws Krimi "History of Murder" : Der Bulle und der Pop

London, 1969. Zwischen Hippies und Kiffern ermittelt Detective Cathal Breen in William Shaws Krimi „History of Murder“. Und blickt mit Befremden auf die neue Popkultur.

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Straßenkunst in der Carnaby Street
Straßenkunst in der Carnaby Street erinnert an das Swinging London der 60er.Foto: picture alliance / dpa

Detective Cathal Breen wacht morgens um fünf auf und weiß nicht warum: Haben ihn die Schmerzen in der Schulter geweckt? Oder war es der Traum, in dem er wieder und wieder erlebt, wie jemand auf ihn schießt. Das Bett, in dem er liegt, steht in dem Zimmer eines Mädchens, das vor fünf Jahren brutal getötet wurde. Es gehört zu einem Bauernhof in Devon, auf dem Breen sich erholen will, gepflegt von der älteren Schwester des Mädchens, die auf dem Hof zu Hause ist, eine Ex-Kollegin des Polizisten. Breen schläft schlecht. Das tote Mädchen ist hier ständig anwesend, in den Gesprächen am Esstisch, im bitteren Schweigen ihres Vaters, in der Ruhelosigkeit ihrer Mutter.

Es ist das Jahr 1969, in dem der britische Schriftsteller William Shaw seinen Ermittler Cathal Breen in diese düstere Lage bringt. Das tote Mädchen lässt ihn nicht los. Eine Spur führt ihn und Helen, die Schwester der Ermordeten, nach London.

Shaws dritter Roman, der im Swinging London spielt

Nach „Abbey Road Murder Song“ und „Kings of London“ ist „History of Murder“ der dritte auf Deutsch erschienene Roman von Shaw, der im Swinging London angesiedelt ist. Breen sieht mit Befremden, wie eine Generation die Popkultur erfindet und hemmungslos lebt. Hippies, Kiffer und junge Frauen in bodenlangen Röcken auf der Suche nach Liebe – und mittendrin der Bulle. Das lässt den Abstand zwischen der altmodischen britischen Klassengesellschaft und den langhaarigen Kulturrevolutionären erst recht so groß erscheinen, wie er war.

Vor allem macht Breen seine Bullenarbeit: Akten lesen, mit Leuten sprechen. Grübeln. William Shaw mag seinen grauen Polizisten, das merkt man an den Schattierungen des Grau. Breen forscht wie ein Historiker: Was verbindet den Nachbarn in Devon mit den britischen Kolonialisten in Kenia und dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Mau-Mau-Guerillas der fünfziger Jahre? Foltermethoden, wie Breen am harten Ende der Mördersuche erfährt.

William Shaw: History of Murder. Roman. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016. 463 Seiten, 14,99 €.

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