Kultur : Woodys Rom

Ein

Ist Italien lustig? Unbedingt, zuletzt allerdings weniger. Als Wonnenkönig Silvio der Letzte noch das Land regierte, hätte wohl nicht mal der einschlägig schwarzsatirisch („Il Divo“) hervorgetretene Paolo Sorrentino noch ein Potentatenporträt drehen wollen. Seit wiederum Mario Monti den postlatinischen Laden leitet, hat das Land zwar die Würde wieder, aber seinen Witz nun wohl gänzlich verloren.

Ist Woody Allen lustig? Der Mann aus Manhattan dreht zwar bekanntlich mit schöner Regelmäßigkeit komische Filme, spielt aber selber, vor und auch in aller Stille abseits der Kamera, lieber den traurigen Clown. Und den so furchtbar traurig, dass es schon wieder brüllend komisch wirkt.

So gesehen, haben die italienischen Korrespondenten der Nachrichtenagentur „dapd“ soeben den seltenen Archetyp des duplizierten Paradigmenwechsels beobachtet und prompt verbreitet. Anlässlich der Premiere seines dritten europäischen Romantikmetropolentitelfilms nach „Vicky Cristina Barcelona“ (2008) und „Midnight in Paris“ (2011) habe das gewöhnlich grantige Großgenie geradezu „geschwärmt“ von dem „unbeschwerten Ort der Lebensfreude“ – eben jener Stadt, in der er seine Komödie „To Rome with Love“ gedreht habe, mit Penélope Cruz, Jesse Eisenberg, Alec Baldwin, Ellen Page und einem gewissen Woody Allen in tragenden Rollen.

Ob dem Regisseur da etwa die Freude über den phänomenalen Erfolg seiner so subtilen wie postkartenglänzenden Liebeserklärungen an die genannten Städte zu Kopf gestiegen war? Wenn ja, dann währte sie kurz. Denn italienische Journalisten, zuletzt nicht gerade wegen ätzender investigativer oder auch ästhetischer Kritiksucht gefürchtet, geißelten nach der Vorstellung „Klischees“ und „Oberflächlichkeit“ des Films – womöglich unter Einfluss einer Überdosis Mario-MontiMagenbitter.

Nun hätte es zur kulturhistorisch denkwürdigen Schlacht zwischen dem seichten Unterhaltungsfilmer Woody A. und den entschieden sinnstiftungsbedürftigen Publizisten kommen können. Wenn nicht mit Roberto Benigni ein weiterer „To Rome with Love“-Protagonist im Saale gewesen wäre. Benigni, bekannt für zwerchfellerschütternde Auftritte vor, hinter sowie abseits der Kamera, gab flink eine Anekdote vom Dreh zum Besten. Einmal sei ein Krankenwagen mit heulenden Sirenen durchs Bild gefahren – und habe zurückgesetzt, nur weil die Sanitäter sich unbedingt mit ihm, Roberto dem Lustigen, hätten fotografieren lassen wollen. Gewünscht, getan!

Da lacht sogar der Patient, vorausgesetzt, er ist Italiener.

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