Yefim Bronfman und Pinchas Zukerman : Kunst der Einfalt

Kammermusik im wahrsten Wortsinn: Yefim Bronfman und Pinchas Zukerman spielen an der Staatsoper Schubert, Mozart und Brahms.

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Yefim Bronfman
Yefim BronfmanFoto: dpa

Sie haben die Bühne kaum betreten, da spielen sie schon. Das fehlende Auftrittszeremoniell – so stellt sich gleich bei den ersten Tönen heraus – steht geradezu für den Musizierstil, wie Pinchas Zukerman und Yefim Bronfman ihn bei ihrem Recital an der Staatsoper diskret zelebrieren: Kammermusik im wahrsten Wortsinn, Hausmusik für Freunde und Familie in ihrem natürlichen Habitat, dem Wohnzimmer. Liedhaft und fast beiläufig kommt Schuberts Sonatine für Violine und Klavier a-moll D 385 daher. Selbst in den simpelsten Melodien erzeugt Zukerman mit stets wenig Bogen einen Ton von dichtem Glanz, der sich von jedem Pathos fernhält. Das verleiht dem leicht altmodisch wirkenden Klang eine herbe Frische. Derb langt er in den Staccato-Passagen des Menuetto in die Saiten, lieblich ohne Süße eröffnet er das wunderschön fließende Allegretto. Die Kunst der Einfalt beherrschen die zwei etablierten Herren nicht nur auf allerhöchstem Niveau, sie können sie sich auch leisten, denn effektstark vermarkten müssen sie sich längst nicht mehr. Eindeutig zum Vorteil der Musik.

Auch Mozart fassen Zukerman und Bronfman nicht mit Seidenhandschuhen an, was ihm guttut. Geschmacksfallen wie exzessive Phrasierung und manierierte Akzente tun sich vor dem perfekt eingespielten Duo gar nicht erst auf. Sonor und entschieden langsam eröffnet es die B-Dur Sonate KV 454, nur um das leuchtende Allegro mit kapriziös-transparenten Verzierungen im Klavier noch schärfer zu konturieren. Der Feierlichkeit des Andante-Themas kommt Zukerman mit ausgleichender Nüchternheit im Ton bei, der aufregenden Harmonik dieses Satzes dagegen schaffen Zukerman und Bronfman durch zeitweise zurückgenommenes Spiel umso mehr Platz. Und das Schönste überhaupt: Das Duo verzichtet gänzlich auf jede Form plakativer Ironie, wie man ihr bei dieser Musik so oft begegnet. Selten ist Humorlosigkeit so wohltuend.

Mit seiner musikantischen Haltung stellt Zukerman klar, dass er kein Klangfetischist ist, der schönen Tönen nachhängt. Was bei Schubert und Mozart perfekt aufgeht, will jedoch bei Brahms’ Sonate Nr. 3 op. 108 aufgrund des insistent trockenen Tons kein einheitliches Klangbild entstehen lassen. Spröde kupierte Phrasen lassen längere Bögen sich nicht entfalten und deckeln den Raum, den Bronfmann mit luftigen Oktavbewegungen öffnet. Erst das Presto Agitato bringt die Wendung: Kraft und Schwung sind die Ingredienzien, die das Fragmentarische dieses Stils doch noch zur wuchtigen Einheit legieren.

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