Zensurvorwurf an die Komischen Oper Berlin : Statt Türken Perser

Deutschland zensiere die Oper, heißt es in italienischen Medien. Genauer: Mozarts aktuelle Aufführung von "Don Giovanni" in der Komischen Oper Berlin. Die weist die Vorwürfe zurück.

Giacomo Maihofer
Don Giovanni liegt unter den Füßen von Donna Elvira.
Don Giovanni liegt unter den Füßen von Donna Elvira.Foto: Jens Kalaene

"Die Deutschen zensieren jetzt auch Mozart!" titelte letzte Woche die italienische Tageszeitung Il Fatto Quotidiano. Einen Tag später folgte die große, überregionale Tagesszeitung Il Giornale: "Deutschland zensiert Mozart, um die Muslime nicht zu beleidigen". Der Vorwurf richtet sich gegen die Komische Oper Berlin und ihre Aufführung von Mozarts Oper "Don Giovanni". Eine der letzten Szenen sei im Text verändert worden. Im italienischen Original heißt es dort "In Italia seicento e quaranta, in Alemagna duecento e trentuna, cento in Francia, in Turchia novantuna", was übersetzt bedeuten würde "In Italien sechshundert und vierzig, hier in Deutschland zweihundert und dreißig, hundert in Frankreich, und neunzig in der Türkei." In der deutschen Übersetzung habe man aus der Türkei Persien gemacht.

Die Journalisten aus Italien wollen darin einen Beweis sehen, dass Deutschland nicht nur seine Komiker zensiere - sie verweisen auf Böhmermann -, sondern nun auch ihre Opern. Die Tageszeitung Il Fatto Quotidiano geht sogar so weit zu behaupten, dass diese Direktive direkt von der Bundesregierung selbst gekommen sei. Deutschland sei für seine Verhandlungen in der Flüchtlingskrise auf das Wohlwollen der Türkei, insbesondere von Staatschef Erdogan, angewiesen und habe dementsprechend den Text geändert, um den Türken im Ausland und Inland nicht übel aufzustoßen. Il Fatto Quodiani ist eine linke, unabhängige Tageszeitung vergleichbar mit der taz in Deutschland während Il Giornale zu Berlusconis Medienimperium gehört.

Die Komische Oper in Berlin hat Stellung zu den Vorwürfen genommen. Die Produktion von Regisseur Herbert Fritsch feierte bereits am 30. November 2014 Premiere und sei seitdem unverändert aufgeführt worden. Die eigens dafür erstelle Textfassung von Sabrina Zwach greife an der betreffenden Stelle eine in deutschen Übertragungen seit vielen Jahrzehnten gebräuchliche Übersetzungstradition auf, die versuche, Rhytmus, Versmaß, Singbarkeit und Inhalt des italienischen Originals miteinander zu vereinen. "Historische und aktuelle geografische Verhältnisse sowie heutige politische Befindlichkeiten waren dafür ebenso wenig relevant wie die genaue Übersetzung von Zahlen", heißt es von der Pressesprecherin. Eine Einflussnahme von außen auf die Arbeit der Übersetzerin habe zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.

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