Kultur : Zickzackkurs

Schwedischer Indie-Pop: Mando Diao in der Zitadelle Spandau.

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Björn Dixgård und Gustaf Norén von Mando Diao.
Björn Dixgård und Gustaf Norén von Mando Diao.Foto: Universal

Erfolgreiche Musiker können einem leidtun. Was immer sie auch nach einer gelobten Platte anstellen, in den Augen vieler Fans und Kritiker ist es das Falsche. Ähnelt das Nachfolgealbum dem vorherigen, heißt es, ihnen seien die Ideen ausgegangen. Geht es in eine neue Richtung, lautet der Vorwurf: Sie haben ihren Stil verraten.

Mit der schwedischen Band Mando Diao verhält es sich anders. Mehrfach hat sie den Kurs gewechselt seit ihrer Gründung 1999. Böse scheint ihr trotzdem niemand zu sein. Sie hat Indie-Herzen beseelt, mit dem schnoddrigen Garagenrock der ersten beiden Alben. Sie hat mit Folk und Polka experimentiert und ein Album mit vertonten Gedichten aus dem 19. Jahrhundert aufgenommen. Nun die nächste Kehrtwende. Das Cover des jüngst erschienenen „Aelita“ irritiert durch knallbuntes Artwork, die Songs zitieren den Synthiepop der Achtziger – mitsamt Vocoder und Keytar. Einflüsse sind The Human League, die Pet Shop Boys und irgendwie auch trashiger Eurodance.

Wie bringt man Indierock-Rauheit und Synthiepop-Schmelz in einem Konzert zusammen, ohne dass alles auseinanderfällt? Sänger Gustaf Norén und Björn Dixgård wollen es mit ihren Mitmusikern in der Zitadelle Spandau demonstrieren. Am Himmel hängen Wolkenschlieren, ein leichter Wind zerrt an den T-Shirts der Besucher. Darauf die Namen anderer verehrter Bands: The Strokes, Franz Ferdinand, Ramones. Man hofft auf Gitarrenklänge.

Und tatsächlich: Zweifel am Gelingen der Mixtur sind rasch zerstreut, neues und altes Material ergeben einen druckvollen, tanzbaren Sound. Die Synthesizer rütteln nur leicht an der Herrschaft von Bass, Gitarre, Schlagzeug. Dixgård und Norén singen meist im Wechsel. Sie nehmen die gewohnten Rollen ein: Der eine gibt sich zugänglich, der andere lässig-arrogant. Ihre Gitarren glänzen silbrig in der Abendsonne, wie auch der dominante Bass von Carl-Johan Fogelklou, mal freundlich glucksend gespielt, mal dumpf und hart.

Für die Fans der ersten Stunde gibt es das pathetisch-bluesige „Mr. Moon“, für Freunde des Seitenprojekts Caligola gar einen Ausflug Richtung Soulpop. Dazu kommen natürlich die Hits „Down in the Past“, „Long Before Rock ’n’ Roll“ und vor allem „Dance with Somebody“. Nach knapp anderthalb Stunden ohne Zugabe ist Schluss, obwohl Norén zuvor noch martialisch angekündigt hatte, bis zu seinem Tod auf der Bühne bleiben zu wollen. Nun scheint ihm der frühe Feierabend wohl doch ganz recht.

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