Zum 80. Geburtstag von Leonard Cohen : Hohelied mit Hut

Leonard Cohen hat der Welt so viel geschenkt – jetzt noch ein neues Album: Dem großen Dichter und Sänger zum 80. Geburtstag.

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Leonhard Cohen 2012 in Paris. Am heutigen Sonntag wird er 80.
Leonhard Cohen 2012 in Paris. Am heutigen Sonntag wird er 80.Foto: AFP

Now I’ve heard there was a secret chord

That David played, and it pleased the Lord

But you dont really care for music, do you?

It goes like this, the fourth, the fifth

The minor falls, the major lifts

The baffled king composing Hallelujah

Es gibt nicht viele Songs, denen ein ganzes Buch gewidmet ist. Bob Dylans „Like A Rolling Stone“ war dem Pop-Exegeten Greil Marcus 300 Seiten wert, und der Musikjournalist Alan Light hat Leonard Cohens „Hallelujah“ eine Monografie gewidmet: „The Holy or the Broken“. Darin beschreibt er die unwahrscheinliche Karriere eines Lieds, das 1984 auf dem Album „Various Positions“ veröffentlicht wurde, ganze 4:34 Minuten.

Leonard Cohen wird 80
Gentleman aus Kanada: Leonard Cohen wird am 21. September 80 Jahre alt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Dominique Issermann/Sony
19.09.2014 11:59Gentleman aus Kanada: Leonard Cohen wird am 21. September 80 Jahre alt.

Dylans mitreißend aggressive, alle Pop-Niedlichkeiten negierende Komposition schlug 1965 ein wie ein Blitz, die Musikwelt stand in Flammen, danach klang nichts mehr wie zuvor. Cohens „Hallelujah“ bewirkte erst einmal gar nichts. Jahre vergingen, ehe John Cale und Jeff Buckley ihn für sich entdeckten und anhoben. Heute ist „Hallelujah“ eine der weltweit am meisten gecoverten Nummern. Man spielt es bei Beerdigungen und Hochzeiten und Casting Shows, die Liste der Interpreten umfasst Bono, Rufus Wainwright, Bon Jovi, Neil Diamond, Renée Fleming (die Opernsängerin), Justin Timberlake ...

Cohen hat den Text oft umgestellt, variiert. In einem Gespräch mit dem „Guardian“ in London sagte er Anfang letzter Woche, er habe sich manchmal ein „Moratorium“ für diesen Song gewünscht – und dass zu viele ihn sängen. Aber dann habe er sich entschlossen, „Hallelujah“ auch selbst wieder zu singen: „Es zieht heilsame Energie an, im Angesicht all der Katastrophen.“ Cohen sagte aber auch, es sei nicht leicht, stets „die Tür zu einem Song“ zu finden, ihn frisch klingen zu lassen. So wie man einen Weg zu einem Menschen suche, den man gut kennt. Man lebe ja dasselbe Leben wieder und wieder und habe dabei das gleiche Problem: es neu zu empfinden und ihm Bedeutung zu geben. Die Zeitung schrieb, wie fit und entspannt Cohen gewirkt habe bei dem Treffen. Und dass er sich zum 80. Geburtstag vorgenommen hat, wieder mit dem Rauchen anzufangen.

„It’s not because I’m old/It’s not what dying does/I always liked it slow/Slow is in my blood“. Mit dem Titel „Slow“ eröffnet Leonard Cohen das Album „Popular Problems“ (Sony), das zu seinem 80. Geburtstag erscheint. Die neun Songs hat Cohen mit dem Musiker und Produzenten Patrick Leonard geschrieben, der als Mitarbeiter von Madonna, Elton John, Bryan Ferry bekannt wurde. Es ist ein wunderbares, unerwartetes Geschenk. Es steckt voller Ironie, und darin liegt viel Wahrheit.

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