Kultur : Zum Ruhm gekleckert

Caro Suerkemper erhält den Werefkin-Preis.

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Früher hatte sie keinen Respekt vor der Kunstgeschichte. Nun schreckt die Künstlerin Caro Suerkemper nicht einmal mehr vor der Aura ihrer eigenen Arbeiten zurück. Mit dickflüssiger Glasur bekleckert sie ihre puppenhaften Frauenbüsten. Es tropft neongelb und rosarot an den vor Verzückung nach oben verdrehten Äuglein vorbei, über die porzellanzarten Pausbäckchen hinweg und über die leicht geöffneten Münder mit den Hasenzähnen. Sie sind einer gewissen Lächerlichkeit preisgegeben, wie jemand, der Taubendreck abkriegt.

Dieses robuste Arbeitsprinzip hat Caro Suerkemper nun den Marianne WerefkinKunstpreis eingetragen. Weder mit ihren kleinen Figurinen noch mit dem Betrachter geht die Künstlerin zimperlich um, löst Scham, Mitleid und Lust aus, manchmal auch alles auf einmal und dabei gern hart an der Kitschgrenze. So hat sie etwa Rokoko-Dämchen geformt, die einem den Hintern hinstrecken und lustvoll einen Haufen machen. Schwangere gehen auf die Knie und öffnen begierig den Mund, während sie gen Himmel beten. Dagegen sind die Kleckerbüsten mit ihren biedermeierlichen Hüten, die sie nun in der Galerie Pankow zeigt, geradezu putzig und harmlos.

Seit 1990 wird der Marianne WerefkinPreis alle zwei Jahre an Künstlerinnen verliehen, benannt nach einer russischen Expressionistin, die lange Zeit im Münchner Kreis des Blauen Reiters gewirkt hat. Sinn der Auszeichnung ist es, Frauen in der Kunstszene zu stärken. Denn immer noch sind sie in Museen unterrepräsentiert und erzielen auf dem Kunstmarkt nicht so hohe Preise wie ihre männlichen Kollegen. Zur Jury gehörten in diesem Jahr unter anderem die Künstlerin Elvira Bach, Rosa von der Schulenburg von der Akademie der Künste und Heinz Stahlhut von der Berlinischen Galerie. Ausgewählt haben sie eine Künstlerin, die Frauen aus jeglichem Zwang zur sittsamen Darstellung vom Barock bis zum Biedermeier befreit.

Explizit weibliche Kunst, wie sie die 1964 in Stuttgart geborene Caro Suerkemper betreibt, fand sich nicht bei allen Nominierten des Werefkin-Preises. Sie sind ebenfalls in der Galerie Pankow mit einer kleinen und qualitativ sehr unterschiedlichen Auswahl an Arbeiten vertreten. Da gibt es etwa rein malerische Auseinandersetzungen, wie sie die 1981 geborene Berlinerin Michelle Jesierski zeigt; sie blendet Landschaften wie Folien übereinander. Oder es sind textilhandwerkliche Objekte mit getragener Kleidung zu sehen, gefertigt von der Japanerin Yukiko Terada. Und dann sind da die alten gusseisernen Wagenheber, die die Schwedin Sofia Hultén zu einer Säule aufgetürmt hat. Das Gebilde ist zwischen Boden und Decke eingeklemmt, und ein wenig beschleichen den Betrachter Zweifel: Wer stützt hier nun wen, die Architektur des Hauses den Turm – oder vielleicht umgekehrt? Anna Pataczek

Noch bis 31. Juli in der Galerie Pankow,

Mo bis Fr 12-20 Uhr, Sa und So 14-20 Uhr

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