Zum Tod der Operndiva Magda Olivero : Große Gefühle

Mit 104 Jahren ist die große Opernsängerin Magda Olivero in Mailand gestorben. Leidenschaft ist der Schlüsselbegriff ihrer langen Karriere.

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Magda Olivero.
Magda Olivero.Foto: picture alliance / AP Photo

Als sie 1972 endlich ihr New-York-Debüt gibt, spaltet sie das Publikum. Die Puristen ereifern sich über die interpretatorischen Freiheiten, die Magda Olivero sich nimmt, über ihre Seufzer und Schluchzer, über das exzessive Pathos der Diva. Die anderen aber sind eben davon hingerissen, erklären, kaum je eine derart mitreißende, gefühlsintensive, auratische Sängerin erlebt zu haben.

Leidenschaft ist der Schlüsselbegriff in der langen Karriere der Magda Olivero, fürs Theater hat sie gelebt, sich mit rückhaltlosem emotionalen Einsatz jeden Abend erneut in ihre Partien gestürzt. Schallplattenstudios dagegen erschreckten sie: „Wenn ich das Mikrofon wahrnahm, war ich nicht mehr natürlich, nicht mehr ich“, sagt sie in Dieter David Scholz’ Buch „Mythos Primadonna“: „Dieses Aufgehen in einer Rolle, diese Selbstvergessenheit, darauf kommt es an.“

1910 in Saluzzo im Piemont geboren (andere Quellen nennen das Jahr 1912), singt Magda Olivero schon als Neunjährige mit kraftvoller Stimme ganze Opernpartien. Den idealen Gesangslehrer aber findet sie erst nach mehreren Fehlversuchen in Luigi Gerussi. 1933 debütiert sie in Turin, kommt noch im selben Jahr an die Mailänder Scala, wo der Dirigent Tullio Serafin ihr Mentor wird. Sie feiert Erfolge als „Traviata“, fühlt sich aber mehr zum Verismo hingezogen, singt die großen Sopranpartien von Puccini und Mascagni. Für Francesco Cilea ist sie die ideale Verkörperung seiner „Adriana Lecouvreur“.

Dem Komponisten gelingt es 1951 dann auch, Magda Olivero zurück auf die Bühne zu holen, von der sie sich zehn Jahre zuvor nach ihrer Heirat mit einem Industriellen zurückgezogen hatte. Auf das umjubelte Comeback folgt eine zweite, noch glänzendere Karriere, die sie 1981 offiziell beendet. Eine extrem robuste Gesundheit und ihre „von glänzender Atemkontrolle getragene Technik“ (Jürgen Kesting) erlauben es ihr jedoch, bis weit in ihr achtes Lebensjahrzehnt hinein das Publikum bei gelegentlichen Auftritten in Erstaunen zu versetzen. Am 20. August erlitt Magda Olivero einen Hirnschlag, an dessen Folgen sie am Montag in Mailand gestorben ist. Mit 104 Jahren.

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