• Zum Tod von Dmitri Hvorostovsky: Der Ex-Heavy-Metal-Sänger mit der warmen, machtvollen Stimme

Zum Tod von Dmitri Hvorostovsky : Der Ex-Heavy-Metal-Sänger mit der warmen, machtvollen Stimme

Er war "Singer of the World" und trat als erster Opernsänger auf dem roten Platz in Moskau auf. Bariton Dmitri Hvorostovsky starb mit nur 55 Jahren.

Dmitri Hvorostovsky
Dmitri HvorostovskyFoto: Berlin Art-Management

Es gibt nur sehr wenige Vertreter seiner Stimmlage, die es zu Weltruhm bringen. Mit einem von ihnen liefert sich Dmitri Hvorostovsky beim Wettbewerb „Singer of the World“ 1989 ein atemberaubendes Finale. „Ich war mir sicher, dass ich gewinnen würde“, erinnert sich der russische Bariton später. „Als ich Bryn Terfel Wagner singen hörte, war ich es plötzlich nicht mehr.“ Doch Hvorostovsky interpretiert Händel und Verdi – und entscheidet das Duell der warmen, machtvollen Stimmen für sich.

Eine Weltkarriere beginnt, schnell färbt sich die Mähne des ehemaligen Heavy-Metal-Sängers aus Krasnojarsk schlohweiß. Wo immer er auftritt, schafft sich Hvorostovsky ein begeistertes, treues Publikum. Ohne sich fest an ein Haus zu binden, gastiert er dort, wo Oper noch von einem Hauch Glamour begleitet ist, in Wien, Mailand, New York. Und immer wieder in seiner Heimat, deren Lieder er mitnimmt in die Welt und Zuhörern vermittelt, die nur seinetwegen ins Konzert gekommen sind. 2004 ist Hvorostovsky der erste Opernsänger, der auf dem Roten Platz auftritt.

Der geborene Eugen Onegin

Vernehmbar zieht er die Luft ein, um dann staunen zu machen mit den weichen, weiten Bögen, die sein Atem zu formen vermag. Er kann auf der Bühne sterben wie kaum ein anderer. Und auf tragische Art am Leben bleiben, wie in der Rolle, für die er seiner Auffassung nach geboren wurde: Eugen Onegin in der gleichnamigen Oper von Tschaikowsky. Eine herrische Erscheinung, die sich mit Spott vom Hals halten will, was das Herz zutiefst berührt. Hvorostovsky zögert den Moment, in dem alle Dämme brechen, virtuos hinaus.

Als bei ihm 2015 ein Hirntumor diagnostiziert wird, geht er damit in die Öffentlichkeit, kämpft sich auf die Bühne zurück, muss sich schließlich doch von der Oper verabschieden, weil sein Gleichgewichtssinn angegriffen ist. Noch immer gibt er Liederabende, wird mit Blumen überschüttet – und hofft. Anfang Mai tritt er noch einmal an der Met auf, als Überraschungsgast bei einer Gala. Am Mittwoch ist Dmitri Hvorostovsky an den Folgen seiner Krankheit gestorben, er wurde 55 Jahre alt.

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