Zum Tod von Leon Russell : Der Sideman

Er war erklärter Antistar, lehnte den Starrummel ab. Stattdessen veröffentlichte er brillante Alben und spielte als Studiomusiker für die großen Stars. Zum Tod des Rock-Genies Leon Russell.

von
Leon Russell
Ein Musician's Musician: Leon Russell.Foto: dpa

War das arrogant, anmaßend oder einfach nur abgebrüht? Als Leon Russell 1970 sein erstes Soloalbum veröffentlichte, sang er zu den harten Akkorden seines Klaviers, begleitet von gedämpften Bläsern, eine Liebesballade, die wie eine dunkle Lebensbilanz klang. „I’ve been so many places in my life and time“, konstatierte er mit altmeisterlicher, sehr jazziger Phrasierung. „I’ve sung a lot of songs, I’ve made some bad rhymes.“

Der Witz daran: Der Sänger war erst 28. Trotzdem stimmte alles, was Russell in seinem „Song For You“, auflistet. Umjubelte Auftritte vor zehntausenden Zuschauern, Songs geschrieben wie am Fließband, darunter auch manche nicht so gelungene. Angefangen hatte Russell mit Halbstarkentolle, schon mit 14 Jahren trat er als Wunderkind mit Jerry Lee Lewis auf, später spielte er Gitarre bei Glen Campbell und nahm als Mitglied der Studiogruppe des Produzenten Phil Spector Platten mit den Byrds, Gary Lewis & the Playboys oder Herb Alpert auf.

Verrücktes Genies, das nicht erkannt werden wollte

Sein Markenzeichen wurden die immer weißer werdende Haarmatte und der Catweazlebart, zusammen mit der obligatorischen Sonnenbrille ergaben sie das Bild eines verrückten Genies, das nicht erkannt werden möchte. Russell lehnte den Starrummel ab und wurde zu dem, was man einen Musicians’ Musician nennt.

Der erklärte Antistar veröffentlichte einige meisterhafte, zwischen Country, Bluesrock und Cajunfolk oszillierende Alben, organisierte für Joe Cocker dessen im Drogenchaos endende „Mad Dogs & Englishmen“-Tournee und führte beim weltweit übertragenden Concert for Bangladesh die Band von George Harrison an. Ein Alterscomeback erlebte Russell, als er 2009 für Elton Johns Album „The Union“ Songs lieferte. John sagte, der Pianist sei „schon immer mein Idol“ gewesen. In die Rock and Roll Hall of Fame wurde er in der Kategorie „Sidemen“ aufgenommen. Jetzt ist Leon Russell in Nashville gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

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