Zum Tod von Michèle Morgan : Schauspielerin Michèle Morgan mit 97 Jahren gestorben

Sie soll die schönsten Augen des französischen Kinos gehabt haben: Michèle Morgan war Frankreichs Diva der 50er und 60er Jahre. Jetzt ist die "kühle Schöne" im hohen Alter gestorben.

"Du hast schöne Augen, weißt du?", sagte Jean Gabin zu Michèle Morgan in "Hafen im Nebel" von 1938.
"Du hast schöne Augen, weißt du?", sagte Jean Gabin zu Michèle Morgan in "Hafen im Nebel" von 1938.Foto: AFP

"Du hast schöne Augen, weißt du", murmelte Jean Gabin in "Hafen im Nebel", dem Film von Marcel Carné aus dem Jahr 1938, der sie berühmt machen sollte. Sie war 18 Jahre alt und wusste bereits, sich mit einer Aura zu umgeben, erwarb sich schnell den Ruf der kühlen Schönen. Jetzt ist Michèle Morgan im Alter von 96 Jahren gestorben: "Die schönsten Augen des Kinos haben sich heute morgen für immer geschlossen", erklärte ihre Familie am Dienstag in Paris. Dem Mythos der schönen, klaren blaugrünen Augen blieb sie zeitlebens treu: Als die am 29. Februar 1920 in Neuilly-sur-Seine bei Paris als Simone Roussel geborene Schauspielerin 1977 ihre Memoiren veröffentlichte, gab sie ihnen den Titel "Mit diesen Augen".

Michèle Morgan, hier auf einem Foto von 1998, starb am 20. Dezember. Sie wurde 96 Jahre alt.
Michèle Morgan, hier auf einem Foto von 1998, starb am 20. Dezember. Sie wurde 96 Jahre alt.Foto: AFP

Bis in die 60er-Jahre war sie eine der populärsten französischen Filmdiven, nachdem sie es in den Vierzigern kurz und vergeblich in Hollywood probiert hatte. 1946 gewann sie bei den Filmfestspielen in Cannes den allerersten Preis als Beste Darstellerin, für "La symphonie pastorale", eine Andrè-Gide-Romanadaption von Jean Delannoy. Bis in die 90er Jahre spielte sie in rund 70 Filmen mit, darunter "Geständnis einer Nacht", "Die Blume der Nacht" und "Menschen im Hotel" von Vicky Baum. Sie arbeitete häufig mit Delannoy, außerdem mit Regisseuren Sacha Guitry, René Clement, Claude Autant-Lara oder Claude Lelouch, stand mit Kinolegenden Yves Montand, Humphrey Bogart und Jean Marais vor der Kamera. Ihr Markenzeichen waren dabei immer wieder die mysteriös distanzierten Auftritte, die Verkörperung einsamer, verlorener Seelen und gleichwohl unabhängiger Frauen.

Dreimal war Michèle Morgan verheiratet, zuletzt mit dem Regisseur und Drehbuchautor Gérard Oury - fast 50 Jahre lang. Tsp (mit dpa)

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