Berichterstattung zu Flugzeugabsturz : "Nicht ein zweites Mal zu Opfern machen"

Nach dem Flugzeugabsturz von Frankreich ruft DJV-Chef Michael Konken die Medien dazu auf, die Angehörigen der Absturzopfer nicht zu bedrängen. Verhalten sich die Medien angemessen? Diskutieren Sie mit!

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Mit Kerzen wird vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern an die Schüler und Lehrer gedacht, die bei dem Flugzeugunglück in Frankreich ums Leben gekommen sind. .
Mit Kerzen wird vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern an die Schüler und Lehrer gedacht, die bei dem Flugzeugunglück in...Foto: Foto: Maja Hitij/dpa

Herr Konken, Online, Fernsehen, Radio, Zeitungen – seit dem Absturz der Germanwings-Maschine über Frankreich gibt es kaum ein anderes Thema: Verhalten sich die Medien angemessen?
Ja, diesen Eindruck habe ich durchaus. Das sind die Kollegen nicht nur den trauernden Angehörigen, sondern der deutschen Öffentlichkeit und nicht zuletzt dem Ansehen unseres Berufs schuldig.
Natürlich müssen die Medien ihren Informationsauftrag erfüllen. Zugleich stehen sie unter hohem Erfolgs- und Quotendruck. Welche Grenzen gilt es zu beachten?

Die Grenzen zeigt der Pressekodex auf, der für die Journalisten verbindlich ist. Darin heißt es: „Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.“ Ich glaube, dem ist nichts hinzuzufügen.
Über die Ursachen der Katastrophe ist bislang nur wenig bekannt. Statt Fakten gibt es vor allem Spekulationen. Das ist verständlich, aber auch in Ordnung?
Die wenigen bekannten Fakten sind ein großes Problem für die Journalisten. Sie können nur das berichten, was sich belegen lässt. An Spekulationen sollten sich Journalisten nicht beteiligen.

Die toten Schüler und Lehrer von Haltern berühren die Menschen besonders. Sollte man die Angehörigen jetzt nicht in Ruhe trauern lassen?
Es geht nicht um die Frage, ob berichtet wird, sondern wie. Wenn eine ganze Schülergruppe aus einer Kleinstadt ums Leben kommt, will die Öffentlichkeit wissen, wie die Menschen in dieser Stadt und die Mitschüler mit der Katastrophe klarkommen. Journalisten dürfen die Trauernden aber nicht bedrängen. Sie müssen das Leid und die Trauer der Angehörigen respektieren.
Politiker fliegen über die Absturzstelle, fahren demnächst möglicherweise nach Haltern. Ist dies das richtige Signal?
Wozu sie ihr Amt verpflichtet, sollten die Politiker eigentlich wissen. Die Kultusministerin von NRW ist für die Schulen des Landes, also auch für das Gymnasium in Haltern, zuständig. Ob der Flug der Bundeskanzlerin über die Absturzstelle für eine gute Regierungspolitik notwendig ist, weiß Frau Merkel besser als ich.

Michael Konken ist Vorsitzender des Bundesvorstandes des Deutschen Journalisten-Verbandes DJV. Die Fragen an ihn stellte Kurt Sagatz.

TV-Nachrichten im Fokus

Der Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich stand am Dienstag im Fokus der Fernsehzuschauer. Die „Tagesschau“ um 20 Uhr sahen allein im „Ersten“ 5,80 Millionen Zuschauer, hinzu kommen die Zuschauer der Dritten Programme. Den anschließenden 50 Minuten langen Den ARD-„Brennpunkt“ verfolgten 5,93 Millionen.
Im ZDF verbuchten die „heute“-Ausgabe um 19 Uhr mit 4,65 Millionen Zuschauern und das „ZDF spezial“ mit 4,37 Millionen das größte Interesse. „RTL aktuell“ um 18 Uhr 45 verfolgten 3,46 Millionen Menschen.
Auch am späteren Abend wurden verstärkt Nachrichtensendungen geschaut. Die „Tagesthemen“ in der ARD kamen um 22 Uhr 15 auf 3,30 Millionen Zuschauer und Sandra Maischbergers Talk ab 22 Uhr 55 zum Absturz auf 2,17 Millionen. Das „heute-journal“ um 21 Uhr 45 erreichte 3,71 Millionen Menschen. Das von ARD und ZDF gemeinsam ausgestrahlte „Mittagsmagazin“ hatte kurz nach Bekanntwerden der Katastrophe 1,99 Millionen Zuschauer. dpa

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