"Breitbart News" for Germany : Expansion mal Agitation

Das US-Online-Medium „Breitbart News“ kommt nach Deutschland. Die AfD freut sich schon. Aber ist der Erfolg der rechtsextremen Seite sicher?

Sophie Krause
Eine Mischung aus zugespitzten Boulevard-Überschriften und rechten Thesen: „Breitbart News“ gehören zum Milieu der selbsternannten Alternativmedien.
Eine Mischung aus zugespitzten Boulevard-Überschriften und rechten Thesen: „Breitbart News“ gehören zum Milieu der selbsternannten...Screenshot: Tsp

Mit Donald Trump kam „Breitbart News“. Schon bald nach dem Sieg des Republikaners bei den US-Präsidentschaftswahlen gab Breitbart.com-Chefredakteur Alexander Marlow bekannt, Ableger des 2007 gestarteten US-Online-Mediums in Deutschland und Frankreich gründen zu wollen. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt ernannte Trump „Breitbart News“-Chef Stephen Bannon zu seinem neuen Chefstrategen.

Das Online-Medium war im Wahlkampf mit seiner massiven Unterstützung Trumps aufgefallen und wolle nun, so Chefredakteur Marlow, gewählte rechtspopulistische Parteien wie die AfD in Europa unterstützen. Diese freut sich offenbar auf „Breitbart News“. Nach dem Bekanntwerden der Expansionspläne twitterte die AfD Heidelberg prompt: „Das gibt ein Erdbeben in unserer verkrusteten Medienlandschaft“.

Derweil hat der Publizist Christoph Kappes angekündigt, eine Art „Breitbart“-Watchblog namens „Schmalbart“ ins Leben zu rufen, der sich kritisch mit den Inhalten des Mediums auseinandersetzen will. Sachlich, verständlich und humorvoll müsse die Sprache sein, keinesfalls herablassend oder arrogant, beschreibt Kappes das Projekt auf seiner Seite.

Milieu der Alternativmedien

Mit zugespitzten Überschriften und einer Mischung aus Boulevard und rechten Thesen gehört „Breitbart“ zum Milieu selbst ernannter „Alternativmedien“, die unter anderem durch rassistische und verschwörungstheoretische Texte immer mehr Leser erreichen und sich über soziale Netzwerke verbreiten. „Macht Feminismus Frauen hässlich?“, fragt ein Text auf Breitbart.com, der mit den Worten beginnt: „Jeder weiß, dass Feministinnen weniger heiratsfähig und grob sind “.

Ein Artikel über einen medienpädagogischen Workshop an einer französischen Schule mit der Journalistin Sheerazad Chekaik-Chaila lautet: „Schulen führen Migrations-Gehirnwäsche-Workshops durch“. Über den US-Lebensmittelproduzenten Kellog’s, der seine Werbung auf Breitbart.com beendet, schreibt ein Autor: „Links außen Frühstücksflocken – Unternehmen Kellog's warnt vor weißen Privilegien“. Kellog’s hatte seinen Anzeigenstopp damit begründet, dass die Inhalte „nicht mit unseren Werten als Unternehmen übereinstimmen“, schreibt die „Welt“. Auch deutsche Unternehmen wie die Deutsche Bahn, BWM oder der Energieversorger Eon wollen keine Anzeigen mehr schalten.

Aufsteiger. „Breitbart News“-Chef Stephen Bannon berät jetzt Donald Trump.
Aufsteiger. „Breitbart News“-Chef Stephen Bannon berät jetzt Donald Trump.Foto: picture alliance

Wolfgang Schweiger, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, glaubt, dass „Breitbart News“ in Deutschland auf ein großes Publikum stößt. Wenn die Seite in Deutschland so professionell auftrete wie in den USA, „dann ist das leider nicht nur ein gutes Geschäft, sondern auch publizistisch von einer gewissen Relevanz“, so Schweiger. Verschwörungstheoretische Seiten existieren schon seit einigen Jahren, allerdings wurde ihnen bislang wenig Beachtung geschenkt: „Sie hatten nie die Reichweiten, die sie in den letzten Jahren entwickelt haben.“

Davon geht auch Christian Stöcker aus, „Netzwelt“-Autor bei „Spiegel Online“ und Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. „Ein Publikum gibt es schon. Man sieht ja, dass es auch ein Publikum gibt für andere Publikationen, die sich weit am rechten Rand des politischen Spektrums bewegen.“

Stöcker ist „verhalten optimistisch“, dass der Erfolg von „Breitbart“ in Deutschland nicht so groß ausfalle, wie von manchen befürchtet. Andere US-Importe wie „Huffington Post“ und „Buzzfeed“ hätten auch nicht so reüssiert wie erwartet, sagt Stöcker. Diese hätten zwar politisch nichts miteinander zu tun, würden aber mit Suchmaschinen und sozialen Netzwerken ähnliche Verbreitungskanäle wie „Breitbart News“ nutzen.

Auch Wolfgang Schweiger hat Zweifel am Erfolgsmodell „Breitbart“: „Ich weiß nicht, ob man damit in Deutschland so viel verdienen kann. Ob es wirklich so groß und professionell wird; vermutlich nicht. Bei uns ist ja alles eine Nummer kleiner, weil wir einfach ein kleinerer Markt sind.“

Allerdings könnten in den nächsten Jahren noch weitaus bekanntere „Alternativmedien“ entstehen. „Bisher ist es ja ein Bereich, der noch unter dem Radarschirm der breiten Öffentlichkeit liegt“, sagt Schweiger. Zwar seien Deutschland und die USA aufgrund ihrer unterschiedlichen Politik- und Mediensysteme nicht direkt vergleichbar, aber: „Was ,Breitbart News‘ sicher erreichen kann, ist eine sehr relevante Reichweite, die es mit den klassischen Nachrichtenwebseiten durchaus aufnehmen kann.“

Womöglich würde dadurch eine bislang ausgebliebene Debatte über die neuen „Alternativmedien“ angestoßen, hofft Schweiger. Zudem sei anzunehmen, dass sich durch die rechten Medien die entsprechenden Einstellungen in Teilen der Bevölkerung verstärken würden.

Pluralistische Medien schützen vor Populismus

Seine pluralistische Medienlandschaft hätte Deutschland lange vor derartigen Entwicklungen geschützt, sagte Schweiger. Doch durch den ökonomisch bedingten Qualitätsrückgang verschiedener klassischer Medien könne sich der Erfolg von „Breitbart News“ und Co. ausweiten. „Wo der Endpunkt ist, keine Ahnung. Und was man dagegen tun kann: Man muss medienpädagogisch wirken“, sagt Schweiger. Man müsse klarmachen, dass klassischer Journalismus die einzige Quelle sei, die sich bemühe, „ausgewogen, wahrheitsgemäß und unabhängig zu berichten und dass all die anderen Akteure natürlich ein gewisses Manipulationsinteresse haben.“

Christian Stöcker sieht das ähnlich. An dem Feldzug, den „Breitbart News“ gerade gegen das Unternehmen Kellog’s führe, zeige sich: „Was da passiert, ist nicht Journalismus, sondern Agitation aus politischen Gründen“, so Stöcker. „Die Plattform, die vom engsten Berater des US-Präsidenten betrieben wird, führt jetzt einen Publikationskrieg gegen ein US-Unternehmen, das nicht mehr bei ihr werben will.“ Dies sei eine „gefährliche Fehlentwicklung“.

Stöcker sieht noch ein ganz anderes Problem auf „Breitbart“ zukommen. Die Seite werde „zwangsläufig mit einer proamerikanischen Haltung kommen müssen“, so Stöcker. Für die „Zielgruppenansprache“ der Macher könne das ein Problem sein, „denn die neue, gerade erstarkende Rechte in Deutschland ist ganz maßgeblich antiamerikanisch und prorussisch.“ Damit müsse „Breitbart“ umgehen oder das Thema umschiffen.

Bislang können Beobachter bloß darüber spekulieren, wie sich „Breitbart News“ auf die deutsche Medienlandschaft auswirken könnte, denn nur wenig ist über die Expansionspläne bekannt. Erste Gespräche mit Journalisten gebe es bereits, ließ „Breitbart“-Chefredakteur Marlow wissen. Doch ein genauer Starttermin stehe noch nicht fest. Eine entsprechende Anfrage ließ „Breitbart News“ unbeantwortet. Auch die AfD äußerte sich auf Nachfrage nicht.

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