Ein Fernsehleben, ein Kampf : Klaus Bednarz mit 72 Jahren gestorben

Klaus Bednarz war der "Monitor"-Mann und er war Auslandskorrespondent. Meinungsstark und profiliert hat er seine Fans und Feinde nie kalt gelassen. Ein Nachruf.

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Klaus Bednarz, der langjährige Moderator und Redaktikonsleiter des Politimagazins "Monitor" ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
Klaus Bednarz, der langjährige Moderator und Redaktikonsleiter des Politimagazins "Monitor" ist im Alter von 72 Jahren gestorben.Foto: dpa

Zwei Bilder haben sich dem ARD-Zuschauer eingeprägt: Der Journalist im Pullover und der Journalist im Parka - und beide gehörten genuin zu Klaus Bednarz. 18 Jahre lang präsentierte er das WDR-Magazin "Monitor", zuvor war er Auslandskorrespondent in Warschau und Moskau, nach der "Monitor"-Zeit arbeitete er als Sonderkorrespondent. Ob im Studio oder am Baikalsee, Bednarz' Beiträge waren so profiliert wie meinungsgesättigt. Er wollte beeindrucken, noch mehr wollte er das Publikum für seine Themen interessieren. Ein Leben, ein Fernsehleben ohne Standpunkt waren für diesen Journalisten undenkbar.

Vor allem als Leiter und Moderator von "Monitor". Von 1983 bis 2001 präsentierte er das Magazin, im Pullover, mit Kassenbrillenmodell und mit nahezu unbewegter Miene. Getrieben von der "schlimmen Tendenz zur Entpolitisierung des Programms" sollte sich das etwas andere "Anleger-Magazin" einsetzen "für die Rechte von Minderheiten, für Menschenrechte, für soziale Chancengleichheit, für den Erhalt der Umwelt". Wahr ist, dass dieser Fernsehjournalismus, investigativ, wie er von den Bewunderern gefeiert wurde, mit seiner Perspektive von links nach rechts kaum einen Zuschauer kalt ließ.

„Monitor“ mit Bednarz, das markiert einen Höhepunkt des Magazinjournalismus in ARD (und ZDF). Dass der CSU-Bundestagsabgeordnete Lorenz Niegel 1989 Anzeige gegen Bednarz erstattete, weil dieser zur Fahnenflucht aufgerufen haben soll – geschenkt. Das Verfahren wurde eingestellt. Anders Januar 1991, da missbilligte WDR-Intendant Friedrich Nowottny „aufs Schärfste“ das wenige Stunden vor Ablauf des UN-Ultimatums an den Irak ausgestrahlte und von Bednarz moderierte „Monitor special“, in dem er desertierte US-Soldaten und ihre Unterstützer mit der Aussage auftreten ließ: „Wer nicht schuldig werden will, muss etwas tun.“ Klaus Bednarz hatte, vom Mann mit der Mahnerrolle gegenüber den Mächtigen in Politik, Wirtschaft, Kirche und Restgesellschaft gerne in Kauf genommen, Feinde und Freunde – auch im eigenen Sender. Wäre vielleicht anders gekommen, wenn er, der ehemals aktive Schwimmer und Volleyballspieler, tatsächlich als WDR-Sportchef reüssiert hätte. Um das Amt bemüht hat er sich.

Heinrich Böll schenkte der "Monitor"-Truppe eine Kerze

Ein Leben, ein Kampf. Im Büro von Klaus Bednarz hing ein Foto, das zeigt, wie Heinrich Böll der Magazintruppe eine Kerze schenkt. Die Kerze sei der Heiligen Anna geweiht, erzählte Bednarz, Böll habe sie mit den Worten überreicht: „Die haben wir als Kinder angezündet, wenn ein Gewitter heraufzog und die Gefahr bestand, dass der Blitz einschlägt. Vielleicht hilft sie euch.“ Sie hat. Nie habe der Blitz so eingeschlagen, dass „wir vom Seil gestürzt sind“.

Leben und Arbeit an Werten auszurichten, das sei wichtig. „Ich habe das Glück gehabt, Menschen kennenzulernen, die Zivilcourage gelebt haben.“ Seine Großväter zählt er dazu. Der eine, ein Bauer und Pietist, gehörte zu den wenigen im Dorf, die nicht in die NSDAP gingen, weil er Hitler für den Teufel hielt. Der andere hisste am Tag der Machtergreifung durch die Nazis an seiner Berliner Wohnung die schwarz-rot-goldene der Republik. Und als den wichtigsten Lehrer seines Lebens bezeichnet Bednarz den sowjetischen Schriftsteller und Regimekritiker Lew Kopelew, der sein Freund wurde. Da ist große Nähe, auch aus der eigenen Biografie heraus: Klaus Bednarz wurde 1942 im brandenburgischen Falkensee geboren, er besuchte Schulen in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR. Mit 13 Jahren ging er mit seiner Familie in den Westen. In Hamburg, Wien und Moskau studierte er Theaterwissenschaft, Slawistik und Osteuropäische Geschichte. In Wien promovierte er über den russischen Dichter Anton Tschechow. 1967 wurde er ARD-Redakteur, vier Jahre später gründete er das ARD-Studio in Warschau, von 1977 bis 1982 leitete er das Moskauer Studio. 1983 moderierte er die „Tagesthemen“, aber dann kam das „Monitor“-Angebot. Bis 2001 blieb er. Danach und bis zu seiner Pensionierung im Juni 2007 war Klaus Bednarz WDR-Chefreporter und ARD-Sonderkorrespondent.

Wer Bednarz als Pullovermann im WDR-Studio kennengelernt hatte, für den war es schon eine Überraschung, wie er im Parka Menschen am Baikalsee bei bitterer Kälte befragte. Beinahe verklärende Stücke waren das, zärtlich im Ton, mit pastosen Bildern haarscharf am Postkartenkitsch. 2006 lieferte er mit Gerd Ruge und Fritz Pleitgen eine Serie über die Rocky Mountains ab.

WDR-Intendant Tom Buhrow sagte zum Tod von Klaus Bednarz: "Wir verlieren einen der bedeutendsten deutschen Fernsehjournalisten. Klaus Bednarz war ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt. Er war Vorbild für kritischen, unerschrockenen Journalismus. Unter seiner Leitung entwickelte sich ‚Monitor’ zu einem Magazin, das auf dem Gebiet des investigativen Journalismus Herausragendes und Richtungsweisendes geleistet hat und leistet. In Erinnerung bleiben werden aber auch seine packenden Dokumentationen und Reisereportagen." Klaus Bednarz sei mit Leib, Seele und messerscharfem Verstand Journalist gewesen - und ein feiner Mensch. WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich sagte, "Klaus Bednarz war ein Anker für alle, die sich für Menschenrechte, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen. Für ihn nie nur Beiwerk oder Sonntagsrede. Eine starke Stimme, die fehlen wird.“

Klaus Bednarz ist am Dienstagabend im Alter von 72 Jahren in Schwerin gestorben. Zuletzt lebte er überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern.



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