Medien : Er brachte uns Amerika näher Zum Tod von Herbert von Borch

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Er ist sehr alt geworden, und deshalb mag es viele geben, die mit seinem Namen keine Vorstellung mehr verbinden. Sehr zu unrecht: Herbert von Borch, der am 25. Juli in München im Alter von 94 Jahren gestorben ist, hat das AmerikaBild einer ganzen Generation geprägt. Als Korrespondent in Washington – zuerst für die „Welt“, dann nach deren Kurswechsel in den 60er Jahren für die „Süddeutsche Zeitung“ – hat er nicht nur über die politischen Ereignisse berichtet. Man kann von ihm sagen, dass er – höchstes Lob für einen Auslandskorrespondenten – seinen Lesern das Land nahegebracht hat. Natürlich war Amerika für die Nachkriegs-Deutschen längst entdeckt, als von Borch in den 50er Jahren nach Washington ging. Aber er machte den Kontinent, der zum wichtigsten Verbündeten der Bundesrepublik geworden war, mit seinen großen, soziologisch unterfütterten Analysen und Reportagen fassbar, vorstellbar und verständlich.

Sein Buch „Die unfertige Gesellschaft“, 1960 erschienen, war ein Exempel dafür. Der Diplomatensohn, 1909 in China geboren, profitierte dabei davon, dass er gelernter Soziologe und in der Schule eines älteren Journalismus groß geworden war, für den Anschauung und Kenntnisvermittlung noch zusammengehörten. Von Borch kam aus dem Kreis des Heidelberger Kultursoziologen Alfred Weber, bei dem er auch promoviert hatte, ging dann zur „Deutsche Allgemeine Zeitung“ – für die er mehrere Jahre aus Rom berichtete – und fand seinen Platz im Journalismus der Nachkriegszeit erst richtig 1953 als Leitartikler der FAZ. Über 20 Jahre, bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland Ende der 70er Jahre, bediente er dann als Korrespondent die Mühle des Tageszeitungs-Journalismus – und blieb doch, was selten ist: eine Instanz gebildeter, kritischer Beobachtung, ein Beispiel für die Vermittlung von gesellschaftlichem Wandel und historischen Dimensionen, ein Herr schließlich, der an den journalistischen Beruf glauben ließ. Rdh.

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