MEDIA Lab : Kompetenz vermitteln

Stephan Russ-Mohl

Der Dresdner Medienforscher Wolfgang Donsbach hat soeben gezeigt, wie sich in Deutschland der Journalismus „deprofessionalisiert“, wie immer mehr PR, versteckte Werbung, aber auch nicht-kommerzielle Blödelei seriöse Informationsangebote verdrängen. Das deckt sich mit Befunden aus der internationalen Forschung. Vom Pew Center erreichen uns aus den USA ähnliche Befunde. Und auch Kurt Imhof und sein Forscherteam dokumentierten in ihrem Jahrbuch zur Qualität der Schweizer Medien neuerlich den Niedergang des Journalismus. Jahr für Jahr werden sie deshalb von den etablierten Medien angefeindet.

Damit einher geht Donsbach zufolge das „Weltwissen“ in der Bevölkerung immer weiter zurück. Die „digital sozialisierte Generation“ bediene sich nur noch zufällig statt regelmäßig professioneller Nachrichtenquellen, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren, berichtete Donsbach in einer Zusammenschau seiner Forschungsarbeiten, die er der Stiftervereinigung der Presse vorgelegt hat. Nicht nur politische Ignoranz und politisches Desinteresse breiteten sich aus und würden zu einer Gefahr für die Demokratie. Den Bürgern komme auch die Fähigkeit zur Distinktion abhanden: Sie können nicht mehr zwischen professionell-journalistischen und nicht-professionellen Medienangeboten unterscheiden. Vier von zehn Deutschen rechneten in einer Repräsentativ-Befragung, die Donsbach durchführen ließ, Pressesprecher, Leser-Reporter und Redakteure von Kundenzeitschriften zu den Journalisten.

In Italien beobachtet der Mailänder Politik- und Medienwissenschaftler Gianpietro Mazzoleni seit langem, wie „Pop Politics“ und „Pop Medien“ einander in die Hände spielen: Die mehrheitlich populistischen Medien, und zwar nicht nur die Berlusconis, verhelfen populistischen Politikern wie Berlusconi und Renzi zu Popularität – und sogar solchen wie Beppe Grillo, die sie zunächst totgeschwiegen haben. Wenn uns unsere Demokratie mehr als einen Pfifferling wert ist, dann sind nicht nur die Schulen, sondern auch die anspruchsvolleren Medien selbst gefordert, mehr Medienkompetenz zu vermitteln.

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