• Nach umstrittenen Blog-Beitrag: Schwulenmagazin "Männer" entlässt Chefredakteur David Berger

Nach umstrittenen Blog-Beitrag : Schwulenmagazin "Männer" entlässt Chefredakteur David Berger

David Berger ist verantwortlich für einen islamophoben Artikel bei der "Huffington Post", sagt der Bruno Gmünder Verlag - und trennt sich von Berger.

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Job verloren. David Berger wurde als Chefredakteur des Schwulenmagazins "Männer" entlassen.
Job verloren. David Berger wurde als Chefredakteur des Schwulenmagazins "Männer" entlassen.Foto: dpa

Grober Klotz auf groben Keil. Der Bruno Gmünder Verlag in Berlin hat am Montag mit sofortiger Wirkung David Berger, Chefredakteur des Schwulenmagazins „Männer“, entlassen. Die Redaktion der Zeitschrift werde ab sofort von ihrem bisherigen stellvertretenden Chefredakteur, Kriss Rudolph, geleitet. Anlass für den Rauswurf ist ein Artikel am 28. Januar in einem Blog der „Huffington Post“, der im Rahmen einer Kooperation
zwischen der Zeitschrift und der Online-Zeitung von Berger verantwortet wurde. Der entlassene Chefredakteur ist ein studierter katholischer Theologe und hatte immer wieder die Homophobie in der katholischen Kirche
kritisiert. Sein Buch „Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“ war ein Bestseller.

In dem Beitrag der „Huffington Post“ kritisiert der Autor Daniel Krause unter dem Titel „Der Islamismus und die queere Szene“ eine „Islamlobby“ unter den Akteuren der schwulen Community, die sich wie beispielsweise die Deutsche Aidshilfe aus Gründen der politischen Korrektheit zu „nützlichen Idioten“ von orthodoxen und islamistischen Verbänden in Deutschland machen würde, statt die verbreitete Homophobie im Islam klar zu benennen. Der Artikel rief im Netz viele Proteste, aber auch viel Zustimmung hervor und wurde am Montagnachmittag von der „Huffington Post“ von der Seite entfernt, berichtet epd medien. Die Aids-Hilfe hatte ihre Anzeigen bei "Männer" Ende 2014 mit dem Hinweis gekündigt, Berger und sein Magazin würden teils mit „rechtspopulistischen Aussagen provozieren“ und immer häufiger mit Beiträgen „zu Ausgrenzung und Diskriminierung“ beitragen. Dies lasse sich nicht mit den Grundsätzen der HIV-Prävention vereinbaren. David Berger ist in der LGBT-Community (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans) durchaus umstritten.

Der Gmünder Verlag erklärte nun am Montag mit Blick auf den Krause-Artikel, man sei um Aufklärung bemüht, wie es im Rahmen der Kooperation zu einer solchen Veröffentlichung kommen konnte, heißt es in einer Pressemitteilung. Die publizistische Grundhaltung des Beitrages widerspreche "den journalistischen Ansprüchen und Werten des Verlags fundamental", heißt es in einer Pressemitteilung.

Gedankengut des Autors Krause speise sich aus Antisemitismus und Relativierung des Holocaust

Der Verfasser Daniel Krause, Autor des Buchs „Allahs ungeliebte Kinder - Lesben und Schwule im Islam“, wird in der Mitteilung des Verlages als „politischer Brandstifter“ bezeichnet, mit dessen Positionen das „Männer“-Magazin nicht in Zusammenhang gebracht werden will. Sein Gedankengut speise sich offensichtlich aus Antisemitismus und der Relativierung des Holocaust, hieß es. „Wir werden uns weiterhin für einen engagierten, streitbaren Journalismus stark machen. Dazu gehört auch, dass wir nicht akzeptieren können, wenn versucht wird, die journalistische Freiheit zur Diffamierung von Personen und Gruppen auszunutzen“, heißt es in der Pressemitteilung des Verlages.

Krause gilt laut Medienberichten als erklärter Islamgegner und soll vor zwei Jahren auf einer Kölner Kundgebung der rechtsextremen Wählervereinigung „Pro NRW“ geredet haben. Zudem hat er vergangene Woche im Radioprogramm WDR 5 erklärt, ihm gehe die Massentierhaltung emotional näher als Auschwitz.

Bundesweit bekannt wurden der Verlag und David Berger im Jahr 2012, als sie eine Kampagne gegen das extremistische katholische Internetportal „kreuz.net“ starteten. Auf dem Portal wurde anonym gegen Homosexuelle, Juden und Politiker gehetzt. Um an die Hintermänner heranzukommen, setzte der Verlag damals ein Kopfgeld von 15.000 Euro aus. (mit epd)

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