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Neue Tumulte im Berliner Columbiabad : RBB entfernt "Abendschau"-Bericht aus Mediathek

Ulli Zelle wollte für den RBB von der Wiedereröffnung des Columbiabades nach einer Massenschlägerei berichten. Doch die Anwesenheit seines Drehteams ließ die Emotionen erneut hochgehen und sorgte für einen weiteren Polizeieinsatz.

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Ulli Zelle hinter Gittern: Die Dreharbeiten im Columbiabad ließen am Dienstag die Emotionen hochschlagen.
Ulli Zelle hinter Gittern: Die Dreharbeiten im Columbiabad ließen am Dienstag die Emotionen hochschlagen.Screenhot Tsp/Quelle: RBB

Wieder Polizei im Freibad am Columbiadamm, heißt es, nachdem die Ordnungsmacht am Dienstag erneut im Freibad anrücken musste, um die Wogen zu glätten. Dass es dazu kam, hat in diesem Fall offensichtlich mit der Anwesenheit eines Drehteams des Rundfunk Berlin-Brandenburg zu tun. Nachdem das Freibad am Sonntag nach einer Massenschlägerei geschlossen werden musste, wollte der RBB dabei sein, wenn das Columbiabad am Dienstag wieder für Abkühlung sorgte. Doch die Anwesenheit von RBB-Reporter Ulli Zelle und seinem Drehteam hatte genau die gegenteilige Wirkung. Es kam zu Tumulten, am Ende patroullierte die Polizei am Beckenrand, während Ulli Zelle seine beiden Live-Schalten um 18 Uhr 30 zu "Zibb" und eine Stunde später in die „Abendschau“ absetzte.

"Der Dreh ist uns entglitten", sagt die "Abendschau"-Leiterin.

Am Tag danach entschied sich die Redaktion der „Abendschau“, den Bericht aus dem Columbiabad aus der Mediathek zu nehmen. „Der Dreh ist uns entglitten. Das war eher ein Happening und keine Berichterstattung“, sagte Anna Kyrieleis, die Leitern der „Abendschau“, anschließend. Diese Passage der „Abendschau“ sei aus der Mediathek genommen worden, um aufgehitzten Jugendlichen im Internet nicht auch noch eine Dauerpräsenz zu geben. Das sei ausschließlich eine Entscheidung der Redaktion gewesen, eine Aufforderung der Bäderbetriebe dazu habe es nicht gegeben.

Zwischen Drehteam und Badegästen wurden Absperrungen errichtet. Polizeibeamte versuchen, die Lage im Columbiabad unter Kontrolle zu halten.
Zwischen Drehteam und Badegästen wurden Absperrungen errichtet. Polizeibeamte versuchen, die Lage im Columbiabad unter Kontrolle...Screenshot: Tsp/Quelle: RBB

Damit unterscheidet sich der Vorgang in einem entscheidenden Punkt von den Ereignissen im März 2013, als der RBB einen Bericht über den Flughafen BER nach der Intervention der brandenburgischen Landesregierung änderte. Ein Regierungssprecher hatte damals bei RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein angerufen und sich über das Verhalten eines RBB-Reporters beschwert. Darauf erwirkte der RBB-Chefredakteur, dass die beanstandete Passage entfernt wurde. Singelnsteins Eingreifen hatte heftige Debatten im RBB ausgelöst und auch den RBB-Rundfunkrat beschäftigt.

Für Justus Demmer, den Sprecher des Berlin-Brandenburger Senders, gibt es zwischen dem BER-Bericht und der Live-Schalte von Ulli Zelle aus dem Columbiabad somit keinerlei Parallelen. Schon eher vergleichbar ist der Vorfall im Schwimmbad mit den Geschehnissen an der Rütli-Schule im Jahr 2008. Einige Schüler hatten sich durch die Anwesenheit von TV-Teams dazu verleiten lassen, dem Bild einer Schule außer Rand und Band gerecht zu werden. Im einen unterscheiden sich die beiden Fälle aus Sicht des RBB jedoch gravierend. „Der Dreh im Columbiabad fand ganz offensichtlich an einem besonders heißen Tag und in einem besonders vollen Freibad statt. Ansonsten aber ist nichts passiert. Nun kann man auch einen Haken daran machen“, betont RBB-Sprecher Demmer. So gebe es auch keine Überlegungen, ob bei Live-Drehs künftig grundsätzlich andere Regeln gelten sollten.

„Ich würde in Zukunft etwas vorsichtiger sein mit der Kamerapräsenz an einem so sommerlichen Tag an einem derart aufgeheizten Ort, aber dass ein Freibad zu einer journalistischen No-Go-Area wird, darf auch nicht sein“, zieht Reporter Ulli Zelle seine eigenen Konsequenzen aus dem Dreh im Columbiabad.

Aus Sicht von Matthias Oloew, dem Sprecher der Bäderbetriebe, ist die Sache inzwischen ausgestanden. „Der RBB hat sich entschuldigt und damit ist es auch gut“. Seine Beschwerde beim RBB begründete Oloew mit zwei Punkten: der ersten Live-Schalte zu „Zibb“ um 18 Uhr 30, als noch voller Badebetrieb herrschte. „Das hätte ich so nie genehmigt, denn ein Dreh zu dieser Zeit führt zu einer Gruppendynamik, die nicht mehr zu bremsen ist.“ Beim RBB ist dies jedoch so nicht angekommen. Ohne Genehmigung hätten wir nicht gedreht, sagt der Sendersprecher. Die Polizei sei zudem nicht durch den RBB gerufen worden, ergänzt Zelle, obwohl ein Lichtmann einen Nackenschlag erhielt und die Wasserattacken auf die Technik nicht ungefährlich waren. Die Bäderbetriebe waren zudem darüber verärgert, dass im „Abendschau“-Bericht auch ein Handyvideo gezeigt wurde, auf dem ein überforderter Bademeister von der Security vom Sprungbrett eskortiert werden musste. „Dieses Video stammte aus dem Vorjahr, das hätte man auch so sagen müssen“, meint Bädersprecher Oloew.

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