Philosophie-Magazine : Denk mal

Was Richard David Precht gelingt, wollen nun auch zwei neue Zeitschriften schaffen: Philosophie populär machen und alltagstauglich aufbereiten. Dass die Magazine gleichzeitig erscheinen, soll allerdings kein Zufall sein.

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Angehenden Journalisten wird beigebracht, Artikel nicht mit einem Satz wie „Schon Aristoteles sagte...“ anzufangen. Die Leser würden dann sofort aus dem Text aussteigen. Nun aber steigen gleich zwei neue Magazine in den deutschen Zeitschriftenmarkt ein, die sich ausschließlich um Philosophie drehen. Das „Philosophie Magazin“ liegt seit gestern am Kiosk und ist der deutschsprachige Ableger der gleichnamigen Zeitschrift aus Frankreich. Am Donnerstag, dem Welttag der Philosophie, startet „Hohe Luft“, benannt nach dem Hamburger Stadtteil und herausgegeben von Katazyna Mol, die auch die Frauenzeitschrift „Emotion“ verlegt. Beide Philosophie-Magazine haben sich das gleiche Ziel gesetzt: Die Fragen nach dem Sinn des Lebens alltagstauglich aufzubereiten.

Wie gut das funktionieren kann, zeigt bereits Autor Richard David Precht. Zweieinhalb Millionen Exemplare hat er nach Angaben seines Verlags Random House inzwischen mit seinen drei Büchern – darunter „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“ – verkauft und wird gerne als Quotengarant in Talkshows eingeladen. Wenn das Interesse an solchen Themen so groß ist, warum gibt es dann nicht ein Philosophie-Magazin in Deutschland, hat sich der französische Verleger Fabrice Gerschel gedacht.

2006 hat er in Frankreich, wo Philosophie Pflichtfach in der Schule ist, das „Philosophie Magazine“ gestartet. Heute verkauft es nach Gerschels Angaben 52 000 Exemplare monatlich, ist profitabel und wurde 2010 zum „Magazin des Jahres“ gewählt. „Der Wunsch nach Orientierung wird in einer Welt, in der den Menschen auch durchs Internet immer mehr Informationen zur Verfügung stehen, immer größer“, sagt Gerschel. Philosophie sei kein Nischenthema, sondern alle Themen, die in Magazinen von „Spiegel“ bis „Brigitte“ stünden, könnten philosophisch aufbereitet werden – und genau das wolle er mit dem „Philosophie Magazin“ nun auch in Deutschland tun.

Sitz der Redaktion ist Berlin. Geleitet wird sie von Wolfram Eilenberger, Philosoph und früher Autor des Tagesspiegels und Korrespondent von „Cicero“. Mit seinem Buch „Philosophie für alle, die noch was vorhaben“ hat er bereits versucht, Aristoteles & Co populär aufzubereiten.

„Philosophie wird nicht nur von alten Männern betrieben“, sondern ist auch „eine weibliche Leidenschaft“, sagt Eilenberger. Doch oft seien die Texte in Frauenzeitschriften zu Partnerschaft, Familie oder Selbstzweifel so aufbereitet, dass sich die Leserinnen unterfordert fühlten. Das „Philosophie Magazin“ wolle nun tiefer gehende Denkanstöße bieten – für Frauen und für Männer.

„Warum haben wir Kinder?“, ist das Thema der ersten Ausgabe, Pro und Contra werden auf mehr als 20 Seiten diskutiert. Ein Coup ist dem „Philosophie Magazin“, das monatlich zum Preis von 5,90 Euro erscheint, mit dem Gespräch zwischen Wikileaks-Gründer Julian Assange und dem Moralphilosophen Peter Singer über die Rettung der Welt gelungen. Dazu gibt es Texte von Autoren wie Daniel Kehlmann und Juli Zeh. Wenig ansprechend ist allerdings das Cover.

Doch auch Konkurrent „Hohe Luft“ zeigt sich hier wenig einfallsreich und sieht dem Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ zum Verwechseln ähnlich. „Du sollst nicht lügen“ ist das Titelthema, im Heft geht es deutlich textlastiger zu als im „Philosophie Magazin“, außer dem Foto–Essay gibt es kaum Bilder. „Wenn das Lesen nicht anstrengend wäre, dann hätten wir was falsch gemacht“, sagt Chefredakteur Thomas Vasek, der früher „P.M. Magazin“-Chefredakteur war.

„Hohe Luft“ zu lesen, soll sein, wie mit einem guten Freund abends beim Rotwein zu diskutieren, sagt Vasek: „Die Leser sollen Anregungen und vielleicht neue Perspektiven auf die großen und die kleinen Fragen des Lebens bekommen.“ „Hohe Luft“ ist zunächst als einmalige Ausgabe zum Preis von 8 Euro geplant, im Frühjahr soll entschieden werden, ob es ab Juni zweimonatlich erscheint.

Dass es jetzt plötzlich gleich zwei Philosophie-Magazine gibt, ist nach Gerschels Ansicht jedoch kein Zufall. Vor einiger Zeit habe es Gespräche über eine Kooperation mit Vasek und „Emotion“-Herausgeberin Katarzyna Mol gegeben. Er habe jedoch keine Lizenz herausgeben wollen und sich deshalb für eine eigene Redaktion und einen eigenen Verlag in Deutschland entschieden. Daraufhin sei bekannt geworden, dass der Emotion Verlag ebenfalls eine Zeitschrift starten wolle, die die Bezeichnung „Philosophie-Magazin“ auch noch im Untertitel führt. Mol hingegen sagt, dass sie schon länger ein solches Heft habe machen wollen. Doch genau wie Gerschel ist sie überzeugt, dass es Platz für beide Magazine gibt. Passenderweise widmet sich das „Philosophie Magazin“ der Freundschaft. Dass die wichtig ist, hat schon Aristoteles gesagt.

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