• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Pillen-Tester : Keine Ärzte des Vertrauens

09.10.2012 00:00 Uhrvon

Ein Arte-Themenabend nimmt die dubiose Zusammenarbeit diverser DDR-Kliniken und westlicher Pharamkonzerne ins Visier.

Im Juli 2010 berichtete das MDR-Magazin „Exakt“, dass westliche Pharmakonzerne in den achtziger Jahren Versuchsreihen in DDR-Kliniken durchführen ließen. Die Ärzte teilten den Patienten nicht immer mit, dass an ihnen nicht zugelassene Arzneien getestet wurden. Der Staat kassierte Devisen, die Konzerne durften sich über eine unkompliziertere Abwicklung als im Westen freuen. Zwei Jahre später legen die MDR-Reporter Stefan Hoge, Carsten Opitz und Hannes Schuler mit der Dokumentation „Pharmalabor Ost“ eine aktualisierte Version vor, die Arte im Rahmen des Themenabends „Versuche am Menschen“ ausstrahlt. Lobenswert, dass sie drangeblieben sind am Thema, doch viel Neues erzählen sie nicht.

Stattdessen: Nachgestellte Szenen, in denen alte Frauen leidend in Krankenhausbetten gelegt werden. Eine Bildführung, bei der sich die Kamera hinter Schreibtischkanten heranpirscht. Immer wieder sehen wir die Journalisten bei rasend spannenden Tätigkeiten wie: auf den Bildschirm starren, den Telefonhörer abnehmen. Sinn und Erkenntniswert: nullkommanull. Das ist umso ärgerlicher, weil da Zeit für Interessanteres verloren geht. Etwa für die Frage, was mit den Versuchsergebnissen geschah. Die Rolle westlicher Zulassungsbehörden fällt unter den Tisch, die Pharmakonzerne äußern sich bis heute nicht.

Bei der zweiten Doku wird es nicht besser. Ben Arnold beschäftigt sich in „Die Pillen-Tester“ mit den Motiven von Probanden. Nicht überraschend: Es geht ums Geld. Ein BWL-Student bessert seine Einkünfte mit der Teilnahme an Medikamenten-Tests auf, ein Arbeitsloser nimmt gleichzeitig an acht verschiedenen Testreihen teil. Dass das nicht gesund sein kann und überdies die einzelnen Test-Ergebnisse verfälscht, liegt auf der Hand. Damit das auch der letzte Zuschauer kapiert, wird der Hartz-IV-Empfänger als verantwortungslose Verlierertype inszeniert, unrasiert und mit schlecht sitzender Perücke. Thomas Gehringer

„Pharmalabor Ost“, 20 Uhr 15; „Die Pillen-Tester“, 21 Uhr 10, Arte

Tagesspiegel twittert

Folgen Sie unserer Medienredaktion auf Twitter:

Sonja Alvarez:


Joachim Huber:
Kurt Sagatz:


Umfrage

Der Satiresendung "heute-Show" wurde die Drehgenehmigung im Bundestag verweigert. Finden Sie das richtig ?

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Service

Empfehlungen bei Facebook

Weitere Themen